Full text : Die deutsche Ölmüllerei

76  II.  Die  Entstehung  und  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  bis  1870.
Erklären  lassen  sich  diese  Tatsachen 22 )  nur  durch  eine  Verringerung ­
  sowohl  der  Produktionskosten  wie  auch  der  Gewinne
der  Ölmüller  pro  Einheit  hergestellten  Öles.  Keine  dieser  Erklärungen ­
  dürfte  für  sich  allein  hinreichend  sein,  dazu  sind  die
obigen  Differenzen  zu  groß 23 ),  sie  dürften  vielmehr  beide  zusammen ­
  diese  Erscheinung  hervorgerufen  haben.
Vergegenwärtigen  wir  uns  noch  einmal  kurz  die  Ergebnisse
der  Untersuchungen  über  die  Gestaltung  der  Produktionskosten
und  der  Ölpreise,  so  kommen  wir  zu  dem  Resultat,  daß  infolge
der  verbesserten  Technik  und  der  Einführung  der  Dampfkraft
die  Produktionskosten  pro  Einheit  hergestellten  Fabrikates  sich
vermindert  haben  und  gleichzeitig  auch  die  Ölpreise  relativ  gefallen ­
  sind.
Kehren  wir  noch  einmal  zum  Ausgangspunkte  der  letzten
Untersuchungen  zurück.  Durch  die  Einführung  der  hydraulischen ­
  Presse  war  es  gelungen,  die  Ölausbeute  bedeutend  zu
erhöhen,  man  erhielt  jetzt  bei  der  hauptsächlich  verarbeiteten
Rapssaat  im  günstigsten  Falle  bis  zu  41%  Öl.  Trotzdem  begnügten ­
  sich  die  meisten  mit  hydraulischen  Pressen  eingerichteten ­
  Ölmühlen  mit  einer  Ausbeute  von  36—38%  (gegen  früher
ein  Plus  von  3—5%).  Der  Grund  hierfür  bestand  darin,  daß
sich  bei  einer  größeren  Ölausbeute  die  Produktionskosten  derartig ­
  erhöhten,  daß  sie  meistens  nicht  mehr  rentabel  war.
Anfangs  hatte  man  sich  eingebildet,  durch  Vergrößerung
des  Preßdruckes  bei  zweimaligem  Pressen  obige  Ölausbeute
erreichen  zu  können,  aber  bald  stellte  sich  dies  als  ein  Irrtum
heraus.  Gerade  so  nämlich  wie  man  beim  Auspressen  von
Früchten,  Keltern  von  Trauben  usw.  diese  Substanzen  nach  Erreichung ­
  eines  gewissen  Druckes  erst  wieder  vorbereiten  muß,
ehe  man  weitere  Wirkung  durch  erhöhten  Preßdruck  erlangen
2a )  Schwankungen  größeren  Stils  in  den  Kuchenpreisen  kommen  erst
um  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  auf,  ich  lasse  dieselben  daher  hier  noch
unberücksichtigt.
2a )  Um  sich  diese  Differenz  zu  veranschaulichen,  muß  man  sich  klar
machen,  daß,  33%  Ölausbeute  in  1806  und  36%  Ölausbeute  in  1853  angenommen, ­
  zur  Herstellung  von  100  kg  Öl  1806  ca.  300  kg,  1853  ca.
280  kg  Samen  notwendig  waren  und  demnach  bei  einer  Steigerung  der
Samenpreise  zwischen  1806  und  1853  um  15,18  Mk.  pro  100  kg  bei  gleichbleibenden ­
  Produktionskosten,  Kuchenpreisen  und  Gewinnen  die  Ölpreise
pro  100  kg  um  42,50  Mk.  hätten  steigen  müssen,  während  sie  tatsächlich
nur  von  48  auf  68,16  Mk.,  also  um  20,16  Mk.,  gewachsen  sind.
            
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