74 II. Die Entstehung und Ausbildung des Fabrikbetriebes bis 1870.
darauf beschränkt, die Veränderungen in den reinen Betriebsunkosten
festzustellen, habe aber die Veränderungen in der auf
die Einheit hergestellten Fabrikates entfallenden Verzinsungsund
Amortisationsquote unberücksichtigt gelassen. Es geschah
dies, einerseits weil es an Zahlenmaterial zur einwandfreien
Berechnung dieser Quote vollkommen fehlt, andererseits weil
auch die Einbeziehung der Verzinsungs- und Amortisationsquote
an dem Endergebnis nichts wesentliches geändert haben
würde, dasselbe sogar vielleicht noch günstiger für die hydraulische
Presse ausgefallen wäre 17 ).
17 ) Um die auf 100 kg hergestellten Öles entfallende Verzinsungsund
Amortisationsquote einwandfrei feststellen zu können, müßte die
Höhe des umlaufenden und stehenden Kapitals der einzelnen Ölmühlen
bekannt sein.
Bei der auf Seite 42/43 näher beschriebenen Ölmühle bildet die
jährlich zu zahlende Pacht in Höhe von 588 % Tlr. für den Pächter die
jährliche Verzinsungs- und Amortisationsquote. Berechnen wir uns nun
die Höhe des prozentualen Anteils der Rohmaterialkosten an den gesamten
Produktionskosten (also einschließlich Verzinsungs- und Amortisationsquote),
so erhalten wir hier 65%; die auf 100 kg hergestellten Öles ohne
Einrechnung der Rohmaterialkosten entfallenden Produktionskosten belaufen
sich nunmehr auf 14,3 Mk.
Von der Seite 72 angeführten Ölfabrik wissen wir nur, daß die
Anschaffungskosten des maschinellen Apparates rund 120000 Frs. betragen
haben (vgl. Försters „Allgemeine Bauzeitung“, Jahrg. 1857, S. 165 ff. und
auch S. 83/84 dieser Arbeit). Um aber auch hier eine Berechnung der
Verzinsungs- und Amortisationsquote vornehmen zu können, will ich versuchen,
die hier fehlenden Kapitalziffern durch Schätzung (und zwar durch
absichtlich hoch gegriffene Summen) zu ergänzen. Das gesamte Kapital
dieser Fabrik dürfte höchstens 350000 Frs. betragen haben, von denen
also 120000 Frs. auf die maschinelle Einrichtung entfallen. Von dem Reste
mögen 100000 Frs. auf Gebäude fallen, während der Rest von 130000 Frs. zum
Teil in Grund und Boden investiert sei, zum Teil als umlaufendes Kapital
verwendet werde. Bei einer jährlichen Arbeitszeit von 250 Tagen, einer
jährlichen 5%igen Verzinsung des gesamten Kapitals und einer jährlichen
Amortisation von 7%% des auf die maschinelle Einrichtung verwandten
Kapitals und von 2% des auf Gebäude verwandten Kapitals (diese Amortisationsquoten
sind der Praxis entnommen) ergibt sich dann als täglich
für Verzinsung und Amortisation aufzuwendende Summe 114 Frs. Berechnen
wir uns nun die Höhe des prozentualen Anteils der Rohmaterialkosten
an den gesamten Produktionskosten, so erhalten wir hier 95,6%. Die
auf 100 kg hergestellten Öles ohne Einrechnung der Rohmaterialkosten
entfallenden Produktionskosten belaufen sich nunmehr auf 5,70 Mk. Es
ergibt sich also als Resultat, daß unsere oben erhaltenen Ergebnisse nicht
nur bestätigt, sondern sogar noch zu Gunsten der modernen Fabriken
ganz bedeutend verbessert werden.