3. Der Einfluß der fortschreitenden Technik.
93
stellt haben. Auf einer mindestens teilweise noch höheren Stufe
technischer Vollendung scheinen die Ölmühlen in den Provinzen
Sachsen, Brandenburg und Pommern zu stehen, welche häufig
Raps aus Schlesien beziehen und das daraus gewonnene öl
wieder nach Schlesien verkaufen. Dies dürfte sich jedoch wahr
scheinlich schon in den nächsten Jahren ändern und dann Rüböl
einen Ausfuhrartikel in Schlesien bilden.“
In ihrem erstenjahresberichte schreibt dieH andels-
kammerNeuß 1861: „Die Ölindustrie, bereits im 18. Jahrhun
dert in Neuß betrieben, entwickelte sich langsam aber stetig
unter preußischer Herrschaft und nahm insbesondere einen ver
mehrten Aufschwung als die hydraulische Presse (zuerst 1828)
eingeführt wurde. Heute (1861) sind hier 10 Ölmühlen in Be
trieb, 6 mit Dampf-, 4 mit Wasserkraft; bei voller Tätigkeit ver
arbeiten sie täglich ca. 3000 Scheffel Ölsaaten (gleich 111000 kg).“
Deutlich geht der Sieg der hydraulischen Presse und der
Übergang zum Fabrikbetrieb aus Viebahns „Statistik des
zollvereinten und nördlichen Deutschlands“ hervor.
Hier heißt es 1868 21 ): „Die Zahl der alten kleinen Ölschläge
reien, die die Erzeugnisse ihrer nächsten Umgebung an Raps,
Rübsen, Mohn- und Leinsamen für den Hausbedarf verarbei
teten und mit Mahl- oder Sägemühlen verbunden waren, hat
sich vermindert; die Ölfrüchte sind mehr Gegenstand des Groß
handels geworden. Große Ölfabriken mit vollkommeneren Kon
struktionen, häufig mit Ölraffinerien verbunden, haben sich ver
mehrt und ihren Betrieb ausgedehnt. Befinden sich unter den
3755 im Jahre 1861 in Preußen gezählten Ölmühlen auch noch
manche kleine Ölmühlen, Handölpressen und Palmölbleichen,
so sind doch die Mehrzahl größere für den Handelsverkehr ar
beitende Geschäfte. Der Personalbestand ist bei den alten mit
Kornmühlen verbundenen Ölgängen gering, bei der neueren
Massenproduktion und den großen Fabriken für Handelsöl er
heblich. Auf zehn Ölmühlen entfallen in Preußen im Durch
schnitt zwanzig Arbeiter. Namentlich die in der Nähe der großen
Handelsplätze errichteten Fabriken, die sich auf dem Handels
wege mit beliebigen Saatmengen versehen können, dehnen ihren
Betrieb zu großem Personal aus.“
Es dürfte sich wohl erübrigen, nochmals im einzelnen auf
*i) Berlin 1858/68. III. Bd., 1868, S. 805 ff.