52
der Gesellschaft zu beurteilen; dieser Standpunkt wäre auch nur
berechtigt, denn die Directors bezw. die Gesellschaft wären dann
in gefahrbringender Weise der Willkür des Revisors ausgesetzt.
Die von mir besprochenen Mängel, mit denen ich vor allem
das System des Audits treffen wollte und an deren Vorhanden
sein die Schuld nicht der englische Bücherrevisor, sondern der Gesetz
geber trägt, lassen vielleicht die Vermutung aufkommen, daß sich
dieselben zur Kalamität herausgebildet hätten. Dem ist nicht so;
die englischen Revisoren haben es bisher durch ihre intellektuelle
und moralische Qualität verstanden, sich das Ansehen und Ver
trauen der englischen Geschäftswelt zu erwerben und zu erhalten;
und mir erscheint das Urteil von Jafföff viel zu hart, der die
Ansicht vertritt, daß die Bescheinigung des Auditors nicht das
Papier wert sei, auf das sie geschrieben. Die Erfolge verdankt
der englische Bücherrevisor aber lediglich der mustergültigen Or
ganisation seiner Verbände; diese ist vorbildlich und nachahmens
wert, nicht das Audit in seiner jetzigen Gestalt. Leider ist diesem
Umstande bisher bei der Darstellung des englischen Systems nie
Rechnung getragen worden.
Das Einkommen der einzelnen Accountants beträgt nach
Beigel ff oft bis zu 40 000 Mk. und mehr. Die Tages
honorarsätze richten sich nach der Arbeitszeit und Qualität der
zur Revision verwendeten Personen und schwanken zwischen 20
und 65 Mk. Selbstverständlich werden die niederen Sätze nur
für Schreiber in Ansatz gebracht. In vielen Fällen bezieht aber
der Accountant, wenn er die Revision dauernd behält, eine
Pauschalsumme, und es gibt Firmen,ff die jährlich mehr denn
20000 Mk. dafür ausgeben.
Wie ich schon vorn erwähnte, erstrecken die englischen Revisoren
verbände ihre Tätigkeit weit über das eigene Heimatland hinaus;
überall wo englische Kaufleute tätig sind, treffen wir auch den
Accountant; in den britischen Kolonien ist das Revisorenwesen
bestorganisiert.
Ähnliche Einrichtungen im Bücherrevisorenwesen, die sich an
den englischen Typ, was Vorbildung usw. betrifft, anlehnen,
finden wir in Nordamerikas) wo als wichtigste Verbände auf
geführt zu werden verdienen:
ff E. Jaffö, Das englische Bankwesen 1905.
ff Beigel, Theorie und Praxis S. 184.
ff Dieser Fall kommt allerdings vereinzelt auch bei uns in Deutschland vor.
ff Näheres bei I. Jastrow in seinem „Bericht über eine volkswirtschaftliche
Studienreise in Nordamerika" und E. Römer, Die Bücherrevisorenpraxis in
Deutschland und England.