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den Phosphor aus dem Bade abscheiden zu können, wird
die basische Zustellung weitaus am meisten angewandt;
den sauer zugestellten Ofen benutzt man fast nur noch
zur Formgußdarstellung.
Die in dem Martinofen sich abspielenden Prozesse
beruhen auf einem Frischvorgang, indem der in den Gasen
enthaltene Sauerstoff mit Hilfe der sich bildenden Schlacke
auf die Fremdkörper des Eisens oxydierend einwirkt. In
der ersten Zeit seiner Entstehung wurde das Martinver
fahren nur dazu benutzt, die bei der Weiterverarbeitung
des Eisens im Betriebe in grossen Mengen entstehenden
Abfallstücke, den sogenannten Schrott durch Einschmelzen
mit Zusatz von Roheisen wieder zu verwerten. Bei seiner
weiteren Entwicklung hat sich das Verfahren aber allmäh
lich zu einem selbständigen Frischverfahren ausgebildet
und steht heute in seiner Bedeutung für die Erzeugung
von Flußeisen dem Windfrischverfahren nicht nach.
Und da ist der seltsame Fall eingetreten, daß heute
nicht mehr wie einst das Roheisen der einzige Stoff ist,
aus dem man Stahl macht, sondern daß dasselbe einen
Mitbewerber bekommen hat, welcher an Kraft so stark
wächst, daß er in wenigen Jahren von gleicher Stärke
sein wird. Dieser starke Mitbewerber ist der von Jahr
zu Jahr in immer größeren Mengen auf dem Markte er
scheinende Schrott, der gerade für das Martinverfahren,
das in absehbarer Zeit wohl das wichtigere Verfahren zur
Massenstahlerzeugung sein wird, so ungeheuere Bedeutung
erlangt hat. Zwar hat man stets in den Eisengießereien
Altguß eingeschmolzen um neue Gußwaren daraus zu er
zeugen; allerdings hat man stets Schweißeisenschrott mit
Schweißeisendraht zu Packen zusammengeschnürt und
diese dann im Schweißofen geglüht und unter dem Wasser-
und Fausthammer ja selbst unter der Walze zu neuen
Erzeugnissen ausgearbeitet. Doch hat die Wiederumar