71
nannten ausländischen Schrottkäufer dank der klugen
Zollpolitik ihrer Regierungen gegenüber den Deutschen
stark im Vorteil sind. Sowohl Oesterreich wie Italien
haben ganz geringe Einfuhrzölle auf Schrott, dagegen sehr
hohe auf Fertigfabrikate, die aus diesem Material herge
stellt werden. Dadurch haben die Werke in den genann
ten Ländern hohe Eisenpreise, unter deren Schutz sie dem
deutschen Erzeuger mit seinen niedrigen Erlöspreisen den
fast zollfrei eingehenden Schrott wegziehen können. Das
ist ihnen um so leichter möglich, als die süddeutschen
Bahnverwaltungen unbegreiflicherweise den außerdeutschen
Werken den Schrott zu einem billigeren Tonnenkilometer
satz befördern als den deutschen (Transitfrachten). Bei
solchen Verhältnissen wo mit Wettbewerb von allen Seiten
gerechnet werden mußte, war das bisher meist angewandte
System ausgeschlossen, nach welchem für eine gewisse
Zeitspanne, etwa für ein Vierteljahr Richtpreise für die
verschiedenen Schrottsorten angegeben werden. Denn
solche Richtpreise geben nur dem Wettbewerb die Mög
lichkeit, in die Karten der Einkaufsstelle zu sehen und
ihr das Material durch ein kleineres Ueberbieten wegzu
nehmen. Es konnte auch nicht, wie wohl sonst, der
Hauptgewinn der Vereinigung darin liegen, daß man auf
die Schrottverkäufer einen Druck ausübte, in dem man
ihnen die Abnahme solange sperrte, bis die Preise einen
gewissen Stand erreicht haben. Oberster Grundsatz der
Organisation war vielmehr: es sind nach Möglichkeit die
Vorteile des freien mit denen des gemeinschaftlichen Ein
kaufs zu verbinden unter Vermeidung der Nachteile beider
Systeme. Es ist deshalb das Verfahren der Richtpreise
wie auch jeder lästige Druck auf den Schrotthandel zu
vermeiden, um ihn nicht der Konkurrenz in die Arme zu
treiben. Dieses Problem wurde auf folgende Weise- ge
löst; Die beteiligten Werke reichten zunächst ein Ver