Full text : Grundzüge des positiven Völkerrechts

Vom  Wiener  Kongreß  bis  1856.  15

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Gegenstand  heftiger  Streitigkeiten  geworden  ist  und  letzten  Endes  zum
Krimkrieg  geführt  hat.
Wenig  ergiebig  für  das  Völkerrecht  war  die  Zeit  der  französischen
Revolution,  wenngleich  diese  die  Unabhängigkeit  der  Völker  und  damit
einen  der  wichtigsten  Völkerrechtsgrundsätze  theoretisch  proklamiert
hatte.  Im  schärfsten  Gegensatz  dazu  stand  der  Napoleonische  Imperialismus, ­
  der  erst  mit  seinem  Sturze  ein  Ende  erreicht  hat.
Einen  Markstein  in  der  Weiterentwicklung  bildet  der  Wiener  Kongreß ­
  vom  Herbst  1814  bis  zum  Sommer  1815,  dessen  Niederschlag  die
Wiener  Kongreßakte  vom  9.  Juni  1815  darstellt.  Dieses  überaus  bedeutsame ­
  Dokument  enthielt  in  seinen  wichtigsten  Bestimmungen  die
Schaffung  des  Königreichs  der  Niederlande,  des  in  Personalunion  mit
Rußland  stehenden  Königreichs  Polen,  sowie  des  (1846  von  Österreich
annektierten)  Freistaates  Krakau  unter  österreichisch-russisch-preußischem ­
  Protektorat,  umschrieb  die  völkerrechtliche  Lage  Deutschlands
in  einem  seiner  integrierenden  Bestandteile,  der  deutschen  Bundesakte, ­
  anerkannte  die  ewige  Neutralität  der  Schweiz,  proklamierte  die
Abschaffung  des  Negerhandels  wie  die  Freiheit  der  internationalen
Flüsse,  insbesondere  des  Rheins,  und  stellte  eine  1818  auf  dem  Aachener
Kongreß  erweiterte  Rangordnung  der  Gesandten  auf.
Wenig  später,  am  26.  September  1815,  schlossen  dann  die  Herrscher
von  Preußen,  Rußland  und  Österreich  auf  Initiative  des  russischen
Kaisers  Alexander  I.  die  „Heilige  Allianz"  ab,  als  Bund  zur  Sicherung ­
  der  sogenannten  rechtsmäßigen  Dynastien  in  den  einzelnen
Staaten  (sog  Legitimitätsprinzip),  auf  Grund  deren  dann  die
Vertragsschließenden,  in  Durchführung  der  Beschlüsse  der  Kongresse
von  Aachen  (dem  auch  Frankreich  beigetreten  war),  Troppau,  Laibach
und  Verona  (1818—21),  zu  Gunsten  der  vertriebenen  Herrscher  interveniert ­
  haben  (Österreich  1821  in  den  italienischen  Staaten,  Frankreich
1823  in  Spanien).
England,  das  schon  von  Anfang  an  der  Heiligen  Allianz  mit  Abneigung ­
  gegenüber  gestanden  war,  trat  damals  1822  (unter  der
Ministerschaft  Cannings)  auch  offiziell  gegen  sie  auf,  während  in  der
amerikanischen  Union  der  Präsident  Monroe  in  seiner  berühmt  gewordenen ­
  Kongreßbotschaft  vom  2.  Dezember  1823  gegenüber  der
drohenden  Einmischung  der  Allianz  zu  Ungunsten  der  seit  1810  von
Spanien  bzw.  Portugal  abgefallenen  mittel-  und  südamerikanischen
Staaten  die  Grundsätze  aufstellte,  daß  Amerika  sich  nicht  in  europäische
            
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