Die Entwicklung der deutschen Portland-Zementindustrie usw. 21
werden 1 . ] Damit nun der gemischte Portlandzement dem reinen
Portlandzement bei Submissionen nicht vorgezogen wurde, erließ
der Verein im Jahre 1886 neue verschärfte Normen, die 1888
alle deutschen Ministerien angenommen hatten. Es wurde im
Vergleich zu den alten Normen die Feinheit der Mahlung und
die Minimaldruckfestigkeit erhöht und die Prüfung der Zug
festigkeit überhaupt neu eingeführt, ein Beweis für die Fort
schritte, die die Portland-Zementindustrie gemacht hatte. Eine
weitere Änderang wurde in den Statuten des Vereins vorge
nommen. Bisher hatte der Vorstand keine Kontrolle über den
Portlandzement der Mitglieder gehabt; dadurch war es möglich,
daß Vereinsfabriken eine minderwertige Ware produzierten, deren
Güte durch ihre Zugehörigkeit zum Vereine zu beweisen suchten
und diesen so in seinem Ansehen herabsetzten. Im Jahre 1888
wurden daher neue Satzungen aufgestellt, in denen bestimmt
wurde, daß der Portlandzement aller Mitglieder einer stetigen
Kontrolle durch den Verein unterworfen sein sollte. Außerdem!
wurde der Name des Vereins in „Yerein deutscher Portland-
Zement-Fabrikanten“ geändert. Das Mischen von Portlandzement
mit Schlackenmehl hatte nun ein Ende und das Vertrauen des
in- und ausländischen Publikums auf die Güte des deutschen
Fabrikates wurde von neuem bestärkt und gefestigt. Die ge
nauere Kontrolle des Portlandzementes überlastete jedoch den
Vorstand allzusehr, weshalb man im Jahre 1899 daran ging, dafür
ein Vereinslaboratorium in Karlshorst bei Berlin zu errichten,
das am 1. 1. 1902 bezogen wurde. Dieses soll auch dazu ver
helfen, die chemische und physische Natur des Zementes auf
wissenschaftlicher Basis weiter aufzuklären, für die Zement
industrie wichtige, technische Fragen zu prüfen, und hat schließlich
noch den Vorteil, daß dort künftige Fabrikchemiker gut ausge
bildet werden können. Im Jahre 1908 wurde abermals eine
Änderung der Normen und Begriffserklärung für Portlandzement
notwendig und zwar neben einer weiteren Verbesserung der 1
1 Protokolle des Vereins deutscher Portland-Zement-Pabrikanten 1881, S. 82.