Full text: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Die volkswirtschaflspolilik. 
setts die Schwesterwissenschaften wiederum voraus, 
knüpft an deren Arbeiten an. Wir baden bereits angedeutet, 
daß die Grundtatsache, die zu wirtschaftlicher Betätigung führt, 
das Bedürfnis des Menschen ist; die wirtschaft ist die Lehre von 
der Organisation der Bedarfsdeckung. Die Untersuchung der 
menschlichen Bedürfnisse ist aber nicht Aufgabe der National 
ökonomie, sondern der Psychologie und Physiologie, 
deren Ergebnisse der Forscher auf dem Gebiete der Volkswirt 
schaft einfach übernimmt. ' Die Feststellung der jeweiligen Be 
dingungen, unter denen sich das Wirtschaftsleben verwirklicht, 
ist der Geschichtsforschung im weitesten Sinne, der 
Wirtschaftsgeographie, der Soziologie über 
lassen. (Es gibt kaum eine Wissenschaft, die nicht irgendwie dar 
Nationalökonom seinen Zwecken dienstbar macht, wie er seiner 
seits anderen Forschern zu dienen hoffen kann. (Es sei dafür nur 
wieder umgekehrt daran erinnert, wie sehr die Geschichtswissen 
schaft ihr Gesichtsfeld erweiterte, als sie auf die materiellen Be 
dingungen der Volksentwicklung zu achten begann; es fei an die 
Bereicherung der Jurisprudenz durch das gleiche Vorgehen hin 
gewiesen. Um ein Mißverständnis zu vermeiden, das nahe liegen 
könnte, sei ausdrücklich betont, daß die Abgrenzung des Gebietes 
einer Wissenschaft keineswegs mit der des Arbeitsgebietes eines 
Forschers zusammenfällt. Im Gegenteil, das übergreifen in Dcr=' 
wandte Wissensgebiete befruchtet oft.genug beide; nur muß sich 
der Nationalökonom, der historische Forschungen für seine Zwecke 
anstellt, bewußt bleiben, daß solange er dies tut, er Historiker 
ist und den besonderen Bedingungen dieser Wissenschaft Rech 
nung zu tragen hat. 
Fragen wir nun nach diesen allgemeineren (Erörterungen, 
welches die besonderen Aufgaben der Volkswirt 
schaftslehre sind, so wissen wir, daß es sich um Fest 
stellung und Erklärung von Tatsachen handelt, 
und zwar dou T a tsachen der Wirtschaft. Wie der 
einzelne Mensch wirtschaftet, um sich die Mittel zur Bedarfs- 
befriedizung zu schaffen, welch-> (Einwirkung das Neben-, Mit-, 
Gegeneinanderarbeiten der einzelnen Menschen in der Gesellschaft 
hat, wie der Staat als die Verkörperung des Gesamtwillcns 
regelnd, hemmend, fördernd in das freie Spiel der Rräfte ein 
greift. das ist der Gegenstand unserer Betrachtung. Zu diesem
	        
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