Ärbeiterpsychologie.
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aus einanderleben ? Es gibt allerdings Tatsachen von so elemen
tarer Deutlichkeit, daß sie nicht zu übersehen sind. Durch Aarl
Marxs „Kapital" sind die Berichte der englischen Fabrikinspek-
toren aus der Frühzeit des Kapitalismus allgemein bekannt ge
worden, die solche Fälle zu Hunderten anführen, in denen eine
ganze Bevölkerung zu einem Grade des Stumpfsinns und des
Elends herabgedrückt wurde, der zum Himmel schrie.
wir sprachen von den Anlegerinnen in den Druckereien; in
England verwendete man für diesen Zweck Jungen im Alter
von u—l? Jahren, deren Geschäft ausschließlich darin bestand,
einen Bogen Papier der Maschine zu unterbreiten oder ihr den
gedruckten Bogen zu entziehen. Nach dem Bericht der amtlichen
Üntersuchungskommission über Kinderarbeit vom Jahre ,866
verrichteten sie, in London namentlich, diese Plackerei ,4,
,6 Stunden ununterbrochen. Dafür waren sie aber auch nach der
Schilderung des Berichts ganz verwilderte abnorme Geschöpfe,
die, wenn sie mit ,7 Jahren entlassen wurden, wegen ihrer Un
wissenheit, Roheit, körperlichen und geistigen Verkommenheit in
keiner anderen Beschäftigung untergebracht werden konnten und
Rekruten des Verbrechens wurden. Dieser krasse Fall, der jedoch
keineswegs eine Ausnahme war, zeigt die Grenzen, bis zu denen
das Übermaß spezialisierter Arbeit führen tarnt; hier ist die Be
obachtung leicht, weil sie sich an das Ergebnis halten kann. Em
Grenzfall anderer Art ist die von den Nordamerikanern der Süd-
staaten mit großem moralischen Kraftaufwand beklagte Tatsache,
daß die Neger nicht in die Baumwollfabriken zu bringen sind, und
zwar ausgesprochenerweise deshalb, weil sie die Einförmigkeit
dieser Arbeit nicht vertragen können.
wie unsere deutschen Arbeiter der Gegenwart auf die Ver
koppelung mit der Maschine reagieren, wissen wir sehr wenig.
Zwar sind in den letzten Jahren eine ganze Reihe von S e l b st -
biographien und Briefen von 2lrbeitern ver
öffentlicht worden, die uns das Land der Arbeiterseele un
bekannter als Innerafrika — erschließen sollten. Aber diese
documents humains, so groß ihre Bedeutung in manchen Be
ziehungen ist, dürfen doch nur mit großer Vorsicht benutzt wer
den; wer imstande war, sich derartig zu äußern, ist kein Durch-
schnittsarbeiter mehr, sondern stellt eine Ausnahme dar. Ganz
abgesehen davon, daß alle für die Äffentlichkeit bestimmten
Autobiographien, von Julius Caesar bis August Bebel, ganz un-