Begriff des Kapitals.
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sind auch gewisse sachliche Voraussetzungen unbedingt erforder
lich. Ganz abgesehen davon, daß wir, wenigstens in unseren
Breitegraden, Kleidung und Wohnung haben müssen, um dauernd
physische Anstrengungen leisten zu können, erfordert gewöhnlich
selbst die einfachste wirtschaftliche Tätigkeit einige Werkzeuge.
Zum verladen von Saften, für die der Greiskran noch nicht ein
tritt, sind Stricke, Kaken, Karren nötig; die Bestellung des Feldes
ist nicht möglich, wenn Pflug und Egge fehlen, und der Neger
Afrikas, der die Pflugkultur noch nicht kennt, benutzt doch die
Spitzhacke. 3e höher wir in der Stufenleiter der Arbeit auf
steigen, um so umfangreicher und komplizierter wird das Arsenal
der Werkzeuge, die wir anwenden, was hat nicht alles der
Schreiner schon in seiner Werkstatt, und nun gar die moderne
Fabrik, deren Anlagen Millionenwerte darstellen, wenn wir
den Ursprung, die Entstehung aller dieser Produktions.
Hilfsmittel verfolgen, kommen wir freilich immer wieder
auf die Arbeit zurück, die früher einmal diese Stosse so formte,
wie wir sie jetzt verwenden. Es ist vorgetane Arbeit,
„geronnene" Arbeit, wie es Karl Marx einmal mit einem
treffenden Ausdruck nennt. Diese vorgetane Arbeit ist nicht nur
solche körperlicher Natur. In jeder Maschine, ja in jedem ein
fachen Werkzeug steckt eine Fülle gedanklicher Arbeit, oft die vieler
Generationen, wir, die wir Erben eines alten Kulturbesitzös
sind, blicken hochmütig auf frühere Zeiten herab, denen wir doch
unser Bestes verdanken; erst wenn wir ein Problem unserer
Zeit mit feinen Rätseln ansehen, ahnen wir, wie schwer errungen
das ist, was wir fast gedankenlos, besitzen. Es fei nur an die
Summe geistiger Energie erinnert, die auf die Ausgestaltung der
drahtlosen Telegraphie oder der Flugtechnik verwendet wird, wie
hier in beinahe unmerklichem Fortschritt an den ersten Gedanken
. sich Schritt für Schritt weitere Bemühungen angliedern, bis
wirklich ein greifbarer Erfolg erzielt ist. Selbst der einzelne
Mensch ist, rein wirtschaftlich gesehen, ein solcher Akkumulator
vorgetaner Arbeit; fein Volk, feine Familie, haben ihm von ihren
geistigen und materiellen Gütern Unschätzbares zugewandt, er
selbst hat sich für feinen Beruf in mühevoller Hingebung geschult,
sich Kenntnisse und Fertigkeiten erworben, die seine Leistungs
fähigkeit um das vielfache der rohen ungeschulten Kraft erhöhen.
In dem Maße, als die Kultur fortschreitet,