Wenn Marx also, um seine These zu beweisen, von
«Tauschwertsummen» spricht, gerät er in ein Sofisma, das
man nur auszusprechen braucht, um seinen Unsinn fest-
zustellen.
Es gibt freilich einen Milderungsgrund für einen so
schweren logischen Irrtum. In der — im übrigen vielen
Volkswirtschaftlern gemeinsamen — Illusion gewiegt, ein
Kriterium finden zu können, nach dem man den Tausch-
wert jeder beliebigen Ware immer «ex n0VO» und «ex ab-
rupto» feststellen könne, glaubte Marx in der Arbeit als
abstrakte Anwendung menschlicher Energie verstanden die-
ses Kriterium gefunden zu haben. Für ihn steht die Arbeit
also jenseits aller Waren, eben weil sie den Tauschwert von
jeder einzelnen bestimmt. Mit andern Worten: die Gleichung
zwischen der Ware A und der Ware B ist für ihn nur mög-
lich, weil beide Waren auf eine dritte anders geartete Quan-
tität bezogen werden, nämlich die gleiche Arbeit, die beide
gekostet haben. Wenn Marx also von Tauschwertsummen
spricht, addiert er zwar praktisch alle Waren, behält sich
aber immer jenseits dieser Summe die Gesamtarbeitsquan-
tität vor, die sie verlangt haben. Gerade die Beständigkeit
dieser gesonderten und anders gearteten Größe macht seinen
Irrtum auf den ersten Anblick weniger deutlich.
Wenn man die Dinge aber näher betrachtet, bleibt der
Irrtum unverändert schwerwiegend bestehen.
c) Wertsummen und Gesamtarbeit.
Da der Tauschwert immer die Beziehungen zwischen
zwei Waren ist, die Arbeit hingegen, die den Wertmaßstab
im Marxschen Sinne bildet, keine Ware ist, *) bleib£ es eine
Inkongruenz, von dem Verhältnis «Tauschwert» auch dann
noch zu sprechen; wenn alle Größen dieses Verhältnisses
miteinander addiert sind.
Die Schlußfolgerung, zu der Marx gelangt, enthält eine
Bedeutung, die man nur folgendermaßen auslegen kann: der
Gesamtheit aller Waren entspricht eine gewisse Gesamtsum-
fr 1) Wenn Marx die Arbeit als Ware betrachten will, nennt er
sie «Arbeitskraft». Im Marxschen System ist die Unterscheidung
zwischen «Arbeit» als Ursache und Maßstab des Tauschwertes
der Waren und «Arbeitskraft» als Ware selbst sehr wichtig. Es
handelt sich jedoch um eine auf einer rein scholastischen Unter-
scheidung beruhende Bedeutung.
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