Sociale Reform.
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Bon da an beschäftigt sich die Social-Demokratie vor
wiegend und in erster Linie mit politischen Fragen. Fragen
von rein socialem Charakter schließt sie zwar nicht aus, aber
sie bleiben für sie so lange von untergeordneter Bedeutung,
bis die in der Politik ihr gestellten Aufgaben gelöst sind.
Die Social-Demokratie hat sich ja nicht eine sociale Reform,
eine Besierung der socialen Schäden auf der Grundlage der
heutigen gesellschaftlichen Ordnung mit Beibehaltung unserer
heutigen Gesellschaftsform vorgesetzt, sondern sie erstrebt eine
sociale Revolution, d. h. sie will, um nach ihrer Meinung
die socialen Schäden zu beseitigen, den Gesellschaftsbau nach
ganz neuen Principien konstruiren, der Gesellschaft eine ganz
neue Grundlage, die Basis der völlig durchgeführten socialen
Gleichheit geben. Um den von ihr projektirten gesellschaft
lichen Neubau errichten zu können, muß sie natürlich vorher
an die völlige Wegränmung des alten Hauses die Hand
anlegen, da kein neuer Bauplatz vorhanden ist, das geplante
neue Haus genau an die Stelle des alten treten muß. Sie muß
vorerst und vor allen Dingen die bestehende Gesellschaftsform
zerschlagen und zertrümmern, alles Bestehende umstürzen, um
auf der (abula rasa nach ihren Plänen und Principien eine
neue Gesellschaftsordnung errichten zu können. Das ist ihr
Ziel, und uni die Mittel dazu in die Hände zu bekommen,
betritt die Social-Demokratie den politischen Weg. Auf
diesem Weg strebt sie nach dem Besitz der Staatsgewalt,
ohne den ihr weder das Wegräumen der alten, noch das
Aufrichten der neuen Gesellschaftsordnung gelingen kann.
Dies ist auch das eigentlich unterscheidende Merkmal
zwischen der Social-Demokratie und allen übrigen socialen
Parteien. Diese arbeiten an einer socialen Reform, an einer
Besserung der Zustände innerhalb der bestehenden Gesellschafts
form ; jene arbeitet an einem völligen socialen Umsturz, an