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Das Kapital.
Einrichtungen arbeitende Unternehmen ganz anders zu werten
als ein technisch zurückgebliebenes. Und doch kann unter Um
ständen das letztere rentabler sein, mehr einbringen, weil es
billiger arbeitet, weil die technisch vollendeten Maschinen und
Einrichtungen so teuer sind, daß^ sie sich nicht bezahlt machen.
Diese Differenz zwischen technischer und wirt-
fchaftlicher Leistung macht es erklärlich, daß die eigent
liche Leitung nicht dem Techniker, sondern dem Kaufmann zu
steht; denn die Aufgabe einer Baumwollweberei ist wirtschaftlich
genommen nicht sowohl, vortreffliche Tücher zu weben, als mög
lich hohe Gewinne für das hineingesteckte Kapital herauszuwirt
schaften. Der Kapitalist also und nicht der Techniker oder noch
weniger der Arbeiter bestimmt die produktionsrichtung.
Auch der Kapitalist gewinnt Verzinsung und Risikoprämie
für sein Kapital doch eben durch die sdroduktiön. Hier bringt
nun das in den Banken arbeitende Kapital ein ganz fremdes
Element hinein, wenn es mit industrieller Produktion in Be
rührung tritt. Die Bank ist nicht die Besitzerin der Fabrik oder
ist es nur vorübergehend; ihr Gewinn entsteht also in der Regel
auch nicht durch die Verwertung von Kapital in wirtschaftlicher
Produktion, sondern durch den Handel mit solchen Produktiv
werten. Die Bank „gründet" ein Unternehmen, d. h. beschafft
ihm das nötige Kapital oder wandelt ein bisher von einem Ein
zelnen betriebenes Unternehmen in eine 2lktiengesellschaft um, zu
dem Zwecke, die Aktien nachher an das Publikum mit Gewinn
abzustoßen, genau so wie sie die Anleihen eines Staates zu einem
niedrigen Kurse übernimmt, um sie zu einem höheren abzugeben.
Das Gleiche vollzieht sich, wenn eine Bank aus ihren Mitteln —
genauer gesprochen den Mitteln ihrer Deponenten — einer Fabrik
einen größeren Vorschuß zur Ausdehnung ihrer produktionscin-
richtungen gewährt hat; sie wird versuchen, diese schwebende
Schuld in Aktien oder Gbligationen umzuwandeln, die gleich
falls auf das Publikum übergehen sollen. Das ist das gute Recht
der Bank, ebenso wie es das gute Recht der MasckiNcnfabrikan-
ten ist, Maschinen zu verkaufen. Mir können beobachten, daß
die Maschinenfabrikanten, um nur ihre Maschinen abzusetzen,
die Begründung von neuen Fabriken fast erzwingen, ohne Rück
sicht auf die Zukunft dieser neuen Arbeitsstätten. Wie hier die
Maschinenfabrikanten nur ihren Absatz und nicht das Gedeihen
der neuen, Fabriken im Auge haben, ähnlich liegt es bei den