Kapitel III. Der Marxismus.
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frihren, wie sie sich von den hier schon untersuchten sozialistischen Schulen
unterscheidet.
a) Stolz beansprucht sie den Titel: wissenschaftlicher Sozialismus.
^°ch muß dieses Beiwort in seiner richtigen Bedeutung aufgefaßt werden.
:~ er Marxismus verhöhnt schärfer, als es die Ökonomisten jemals getan
naben, alle Phalansterien und alle Republiken in Ikaria, und ebenso
uUe mehr oder weniger vollständigen Genossenschaftssysteme. Er be
hauptet nicht, einen neuen Plan aufgestellt zu haben, sondern gibt sich
nur, sagt Labriola, als „die wissenschaftliche und überlegte Offenbarung
des Weges, den unsere bürgerliche Gesellschaft durchläuft (möge der
^hatten Fourier’s mir verzeihen!)“ 1 ). Er beschränkt sich darauf, den
“inn der Entwicklung aufzudecken, die nolens volens die menschlichen
^Seilschaften vorwärts treibt, und den Punkt zu bezeichnen, auf den
um der Lauf der Dinge gerichtet ist.
Diese Methode nähert den Marxismus eher der klassischen National-
°konomie und ihrer Auffassung der natürlichen Gesetze, als dem Sozialis
mus. Und weiter steht es unbezweifeibar fest: die Theorien Marx’ be
ruhen auf denen der großen Ökonomisten aus dem Anfang des 19. Jahr
hunderts und im Besonderen auf denen Ricardo’s. Von ihm stammt der
Marxismus in gerader Linie ab. Er ist sein Erbe nicht nur auf Grund
girier sich auf die Arbeit gründenden Werttheorie, nicht nur durch die
theorie des Antagonismus zwischen Profit und Lohn, nicht nur durch
der Rente, durch all diese Lehren Ricardo’s, die kaum verändert in
me marxistische Doktrin übergegangen sind und ihr als mächtiges Gerüst
le nen, sondern, so paradox diese Behauptung im ersten Augenblick wohl
^scheinen mag, er ist sein Erbe auch auf Grund seiner abstrakten, dogma-
schen Methode und durch die dunkle Fassung seiner Formeln, die seinen
^ Gnilern stets gestattet, ihnen einen esoterischen Sinn zu geben und zu
■3?®, daß man ihn noch nicht verstanden habe, genau wie bei Ricardo 2 ).
, stützt sich zwar auf eine reiche Beobachtung der Tatsachen — wir
a ben übrigens schon dargelegt, daß auch Ricardo selbst, mehr als man
m'kt, d er Beobachtung der Tatsachen verdankt, — aber er vereinfacht
J. verallgemeinert sie, um darauf ein rein schematisches Gebäude zu
Achten, gerade wie Ricardo selbst und seine Schüler nach ihm es getan
n. Und dies ist so wahr, daß hierin heute die einzige Zuflucht liegt,
^^den noch im Starrsinn verharrenden Marxisten offen bleibt, um die-
- 1 ) Artoine Labriola, La conception matörialiste de PHistoire, S. 24.
„ ® au ch die Saint-Simonisten hatten denselben Anspruch erhoben. | Es würde daher
ihn 6recllt sein > si e unter die Utopisten einzureihen, und einige der Marxisten erkennen
en a uch in der Tat dieses Recht der Priorität zu.
j, 2 ) Ein Schüler von Marx, Georges Sorel, hat völlig im Ernste geschrieben:
y a ® Beispiel der marxistischen Werttheorie zeigt uns, welche Bedeutung die Un-
<j Ländlichkeit haben kann, um einer Lehre Nachdruck zu verleihend Les Illusions
P r ogres, S. 91—92. Und das ist auch tatsächlich ganz richtig!