Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

von einem Idealzustand, dem die — als Einheit auf 
gefaßte — Menschheit zustrebe, für all den Miß 
brauch des Wortes „Civilisation“. Das machte dann 
die Geschichtstheorie zum Tummelplatz aller mög 
lichen Dilettanten und Weltverbesserer und auch das 
ist ihr bis heute geblieben. Einer der ärgsten aber 
auch glänzendsten Sünder in dieser Eichtung war Con- 
dorcet. Doch kann sein Fall auch als Beleg dafür 
angeführt werden, daß schon das 18. Jahrhundert 
gegen diese Dinge reagierte. Zwar hat man die Hin 
dernisse, die solchen Idealen in der menschlichen 
Psyche entgegenstehen, nicht völlig erkannt. Aber 
auf äußere Schranken des Fortschritts verfiel man 
bald, und Malthus’ Essay on population wies energisch 
— zu energisch sogar — auf sie hin. 
Vielleicht habe ich den Leistungen, von denen ich 
erzählen wollte, einen schlimmen Dienst getan da 
durch, daß ich sie in eine dürftige Skizze preßte, die 
von der Fülle und Mannigfaltigkeit, der Kraft und 
dem Glanz der sozialwissenschaftlichen Arbeit jener 
Zeit ja doch keine Vorstellung geben kann. Aber viel 
leicht genügt das Gesagte zum Beweis, daß in der 
Literatur jener Zeit unter wertlosem, buntem Gestein 
viele schöne Brillanten liegen, nur noch nicht ge 
schliffen und gefaßt. Vor allem aber wollte ich den 
großartigen Zug des wissenschaftlichen Wollens jener 
Zeit zeigen und Sinn und Eichtung dieses Wollens, 
die der Folgezeit verloren gingen und von unverstän 
diger Kritik entstellt wurden. Sinn und Eichtung 
dieses Wollens lagen nicht in einer Neuauflage der 
Scholastik, sondern strebten nach ungekannten Ufern.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.