Full text : Mietausfall, Zinsrückstand und Fällig werden von Pfandlasten in Mannheim während der ersten acht Kriegsmonate

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hat  G.  v.  Mayr  in  der  neuen  Auflage  seiner  „Theoretischen
Statistik“  nur  wenige  frostige  Worte  für  sie  gefunden.  „Gewiß ­
  ist  —  wenn  die  erschöpfende  Beobachtung  oder  Ausbeutung ­
  an  sich  nicht  mögli'ch  oder  mit  Rücksicht  auf  den
Kostenpunkt  ausgeschlossen  ist  —  immerhin  auch  eine  partielle
Ermittlung  oder  Ausbeutung  besser  als  nichts.“  Wohl  ist  gerade
im  vorliegenden  Fall  diese  einschränkende  Bedingung  nach  jeder
Richtung  erfüllt,  denn  weder  Zeit,  Geld  noch  Hilfskräfte  standen
uns  für  die  Durchführung  einer  auf  sämtliche  Grundstücke
sich  erstreckenden  Erhebung  zur  Verfügung.  Gleichwohl  würden
wir  uns  schwerlich  zur  Veranstaltung  einer  Teilaufnahme  entschlossen ­
  haben,  wenn  das  au  erwartende  Ergebnis  nur  „immerhin ­
  besser  als  nichts“  gewesen  wäre.  Aber  freilich:  Darin
ist  dem  Altmeister  der  deutschen  Statistik  Recht  zu  geben,
um  wieviel  das  Ergebnis  einer  repräsentativen
Erhebung  besser  als  nichts  ist,  anders  ausgedrückt,
unter  welchen  Bedingungen  die  Verallgemeinerung  ihrer  Resultate ­
  jeweils  zulässig  ist  —  diese  brennendste  Frage  hat  die
Theorie  der  Statistik  noch  bei  weitem  nicht  gelöst.  Es  scheint
sich  uns  nämlich  folgende  verzwickte  Sachlage  zu  ergeben:
„Vermittelst  der  erschöpfenden  Beobachtungsmethoden  vermag
man  nur  wenige,  verhältnismäßig  einfache  Seiten  der  Sozialerscheinungen ­
  zu  erforschen.  Die  partielle  Erhebung  aber  geht
kühn  auf  die  Erforschung  der  intimsten,  detailliertesten  Fragen
aus,  die  ohne  den  Beistand  dieser  Erhebungsmethode  unserer  Erkenntnis ­
  ganz  unzugänglich  geblieben  wären.“*)  So  ist  es  in  der
Tat,  und  die  gewöhnlich  in  den  Vordergrund  gerückten  Geldund
  Zeitschwierigkeiten  sind,  wie  eine  einfache  Ueberlegung
lehrt,  nur  technische  Außenseite,  unvermeidliche  Begleiterscheinung ­
  der  Bestrebungen,  tiefer  in  die  Strukturzusammenhänge
sozialer  Massen  einzudringen,  als  dies  die  erschöpfende  statistische ­
  Erhebung  gemeinhin  vermag.  Darum  also  die  Beschränkung ­
  auf  die  repräsentative  Erhebung,  deren  Daseinsrecht  aber
mit  der  Zulässigkeit  der  Verallgemeinerung  ihrer  Ergebnisse
steht  und  fällt.  Nun  kann  aber  die  exakte  Messung  des  Zuverlässigkeits
  g  r  a  d  e  s  der  Verallgemeinerung  nur  mittelst  mathematischer ­
  Kriterien  auf  dem  Boden  der  Wahrscheinlichkeitsrechnung ­
  erfolgen,  d.  h.  unter  der  Voraussetzung  vollständiger  Fungibilität
  der  Einzelfälle.  Eine  solche  Fungibilität  liegt  aber  bei
den  sozialen  Massenerscheinungen  sehr  selten  und  jedenfalls
nur  dann  vor,  wenn  wir  von  den  konkreten  individuellen  Besonderheiten ­
  in  weitem  Umfang  abstrahieren.  Allein  gerade  um  die
Erfassung  dieses  „intimen  Details“  ist  es  uns  ja  zu  tun,  wenn
wir  ziur  repräsentativen  Methode  unsere  Zuflucht  nehmen.  Wir
geraten  also,  wie  es  scheint,  in  eine  hinterlistige  Zwickmühle.
Wenn  es  indessen  auch  der  mathematischen  Theorie  vorläufig

*)  S.chwittau,  zitiert  nach  Kaufmann  a.  a.  0.  S.  364.
            
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