Kap. II.
Folgerungen aus Tatsachen.
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Säuglinge in Geschmack bringe und als leckere Speise für die Reichen
jährlich soo ovo irländische Rinder der Schlachtbank überliefere.
Für jemand, der die Literatur des irländischen Elends überblickt,
wie ich dies beim Schreiben dieses Kapitels tun mußte, ist es schwer,
in anständigen Ausdrücken van der Leichtfertigkeit zu reden, mit der
selbst in den Werken so hochsinniger Männer wie will und Buckle das
Elend und die Leiden Irlands der Übervölkerung zugeschrieben werden.
Ich weiß nichts, das besser geeignet wäre, das Blut sieden zu machen,
als die kalten Schilderungen der räuberischen, aufreibenden Tyrannei,
der das irländische Volk unterworfen war, und der allein der irländische
Pauperismus und die irländische Hungersnot zuzuschreiben sind, für die
man vergeblich die Unfähigkeit des Landes, seine Bevölkerung zu er
halten, verantwortlich macht; und müßte man es nicht dem entnerven
den Einflüsse zugute halten, der, wie die Weltgeschichte beweist, überall
die Folge tiefer Armut ist, so würde man schwer einem Gefühle der
Verachtung gegen eine Rasse widerstehen können, die, von solchen Un
bilden gereizt, nur hin und wieder einem Gutsbesitzer den Garaus
gemacht hat.
Gb Übervölkerung je Verarmung und Hungersnot hervorbrachte,
mag eine offene Frage sein; aber der Pauperismus und die Hungersnot
Irlands können dieser Ursache so wenig zugeschrieben^werden, wie der
Sklavenhandel der Übervölkerung Afrikas, oder die Zerstörung Jeru
salems der Unfähigkeit, die Subsistenzmittel mit der Zunahme seiner
Bevölkerung gleichen Schritt halten zu lassen, wäre Irland von Natur
ein Hain von Bananen und Brotfruchtbäumen, wären seine Rüsten
mit den Guanolagern der Lhincha-Inseln gesegnet gewesen, und hätte
die Sonne südlicherer Breitengrade seinen feuchten Boden zu üppigerer
Fruchtbarkeit erwärmt, so würden die dort herrschenden sozialen Zu
stände nicht minder Armut und Hungertod mit sich gebracht haben, wie
könnten Verarmung und Hungersnot in einem Lande fehlen, wo die
Pachtschraube dem Bebauer des Bodens den ganzen Ertrag seiner Arbeit
entringt, außer was in guten Jahren gerade zur Erhaltung des Lebens
ausreicht; wo die von dem Belieben des Besitzers abhängende Pacht
Verbesserungen von selbst verbot und jeden Anreiz zu anderer als der
verderblichsten und armseligsten Bewirtschaftung unterdrückte; wo der
Pächter, selbst wenn er könnte, Kapital nicht anzusammeln wagen würde,
aus Furcht, der Gutsherr werde es ihm an Pacht abnehmen; wo er
tatsächlich nicht mehr als ein Sklave war, der auf ein Zeichen eines
Menschen gleich ihm zu jeder Zeit aus seiner elenden Erdhütte vertrieben
werden konnte, ein heimats- und obdachsloser, verhungernder Wanderer,
der selbst nicht einmal die wildwachsenden Früchte der Erde pflücken
oder einen Hasen fangen durfte, um seinen junger zu stillen? Gleichviel
wie dünn die Bevölkerung und welche natürliche Hilfsquellen vorhanden
waren, sind Verarmung und Hungertod nicht die natürlichen Folgen
m einem Lande, wo die Produzenten der Güter gezwungen sind, unter