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Die Gerechtigkeit des Heilmittels.
Buch VII.
tums oder der parlamentarischen Regierung, entkleidete die großen
Herren der persönlichen Macht und Bedeutung, ihrer Jurisdiktion und
Gewalt über die Personen und unterdrückte so die auffälligen Mißbräuche,
ähnlich wie die Entwicklung des römischen Imperialismus die auf
fälligsten Grausamkeiten der Sklaverei unterdrückt hatte. Die Zerlegung
der großen Lehnsgüter, welche solange als sich nicht die Notwendigkeit
fühlbar machte, in großem Maßstabe zu produzieren, darauf hinwirkte,
dieZahl derGrundbesitzer zu vermehren, und die Abschaffung derZwangs-
maßregeln, durch welche dieselben, als noch die Bevölkerung dünner war,
die Arbeiter auf ihren Gütern zurückzuhalten suchten, trugen auch dazu
bei, die Aufmerksamkeit von der, mit dem Privatbesitz am Grund und
Boden verknüpften Ungerechtigkeit abzulenken, während der beständige
Fortschritt der Ideen des römischen Rechts, des großen Schachtes und
Vorratshauses der modernen Jurisprudenz, darauf abzielte, den natür
lichen Unterschied zwischen Grundeigentum und Eigentum an anderen
Dingen zu verwischen. So ging mit der Ausdehnung der persönlichen
Freiheit eine Ausdehnung des persönlichen Grundbesitzes bfand in bfand.
Die politische Macht der Barone wurde überdies nicht durch die
Empörung der Klassen gebrochen, welche die Ungerechtigkeit des Grund
besitzes deutlich fühlen konnten. Solche Empörungen fanden immer
und immer statt, aber ebenso oft wurden sie mit schrecklichen Grausam
keiten unterdrückt, was die Macht der Barone brach, war die Zunahme
der Handwerker- und bjandelsklassen, und zwischen dem Lohn derselben
und der Grundrente besteht nicht dasselbe klare Verhältnis. Diese Klassen
hatten sich ebenfalls unter einem System geschlossener Gilden und In
nungen entwickelt, welches, wie ich früher bei Besprechung der Gewerk
vereine und Monopole erläuterte, sie in den Stand setzte, sich gegen die
Wirkung des allgemeinen Lohngesetzes gleichsam zu verschanzen, und
welches viel besser aufrecht zu erhalten war als heutzutage, wo die
Wirkung verbesserter Transportmethoden und die Verbreitung der
nötigsten Kenntnisse und neuesten Nachrichten die Bevölkerung beständig
mobiler macht. Diese Klassen sahen nicht und sehen jetzt noch nicht, daß
die Grundbesitzverhältnisse schließlich die Bedingungen des industriellen,
sozialen und politischen Lebens bestimmen müssen. Und so ging die
Tendenz dahin, den Begriff des Grundeigentums mit dem Eigentum
an Dingen menschlicher Produktion zu verschmelzen, und man machte
selbst Rückschritte und begrüßte sie als Fortschritte. Die französische
konstituierende Versammlung glaubte im Jahre l.789 ein Überbleibsel
der Tyrannei hinwegzufegen, als sie den Zehnten abschaffte und den
Unterhalt der Geistlichkeit durch allgemeine Steuern deckte. Der Abbe
Siöyes stand allein, als er erklärte, daß man einfach eine Steuer, die eine
der Bedingungen war, auf Grund deren die Besitzer ihre Güter besaßen,
den Gutsbesitzern erlasse, um dieselbe der Arbeit des Volkes aufzuerlegen.
Aber vergebens. Da der Abbä Siöyes ein Priester war, so sah man in
ihm einen Verteidiger der Interessen seines Standes, während er in