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Das Gesetz des menschlichen Fortschrittes.
Buch X.
was die Sklaverei betrifft, so vermag ich nicht einzusehen, wie
sie je dazu beigetragen haben könnte, die Freiheit zu begründen, und
die Freiheit, das Synonym der Gleichheit, ist von dem rohesten Zu
stand an, in welchem man sich den Menschen denken kann, der Antrieb
und die Bedingung des Fortschrittes. Auguste Lomtes Vorstellung,
daß die Institution der Sklaverei die Menschenfresserei beseitigte, beruht
ebensosehr auf Einbildung als Elias humoristische Darstellung der Art
und weife, wie die Menschheit Geschmack an Schweinebraten gewann.
Sie nimmt an, daß ein chang, der im Menschen nur unter den unnatür
lichsten Bedingungen, entweder bei direktem Mangel oder beim brutalsten
Aberglauben*) auftrat, ein originaler Trieb sei, und daß er, der selbst
im niedrigsten Zustande das höchste aller Tiere ist, natürliche Neigungen
habe, welche selbst die edleren Tiere nicht zeigen. Dasselbe gilt von dem
Gedanken, daß die Sklaverei die Zivilisation dadurch herbeiführte, daß
sie den Sklavenbesitzern Muße zum Fortschritt ließ.
Die Sklaverei hat nie den Fortschritt unterstützt und konnte ihn nie
unterstützen! <Db das Gemeinwesen aus einem einzigen cherrn und
einem einzigen Sklaven, oder aus tausend Herren und Millionen Sklaven
besteht, die Sklaverei schließt immer eine Vergeudung menschlicher
Kraft ein; denn die Sklavenarbeit ist nicht nur weniger produktiv als die
freie Arbeit, sondern die Kraft der Herren wird im Besitz und in der
Überwachung ihrer Sklaven gleichfalls vergeudet und von den Rich
tungen, in denen der wahre Fortschritt liegt, abgelenkt, von Anfang
bis zuletzt hat die Sklaverei, wie jede andere Leugnung der natürlichen
Gleichheit der Menschen, den Fortschritt beeinträchtigt und verhindert.
In dem Verhältnis, wie die Sklaverei in den sozialen Einrichtungen
eine wichtige Rolle spielt, hört der Fortschritt auf. Daß in der klassischen
Welt die Sklaverei so allgemein war, ist unzweifelhaft der Grund, warum
die geistige Tätigkeit, welche die Literatur so verfeinerte und die Kunst
adelte, nie zu einer der großen Entdeckungen und Erfindungen gelangte,
welche die moderne Zivilisation auszeichnen. Kein sklavenhaltendes
Volk war je ein erfinderisches Volk. In einem Sklavenstaate können die
oberen Klassen luxuriös und verfeinert werden, aber nie erfinderisch-
was den Arbeiter erniedrigt und ihn der Früchte seiner Mühen beraubt,
erstickt den Erfindungsgeist und verbietet die Benutzung von Erfindungen
und Entdeckungen, selbst wenn sie gemacht werden. Der Freiheit allein
ist der Zauber der Macht gegeben, welche die Geister beschwört, in
deren Obhut die Schätze der Erde und die unsichtbaren Kräfte der Luft
sich befinden.
Das Gesetz des menschlichen Fortschrittes, was ist es anderes als
chie Sandwich-Insulaner erwiesen ihren guten Häuptlingen durch das Verzehren
ihrer Körper Ehre. Die schlechten und tyrannischen Häuptlinge rührten sie nicht an.
Die Neu-Seeländer glaubten die Kraft und Tapferkeit ihrer Feinde zu erwerben, wenn
sie sie aßen. Dies scheint auch de r allaenreine Ursprung des Verzehrens der Kriegs
gefangenen zu sein.