Full text : Fortschritt und Armut

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Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.

Buch  X.

zu  durchfurchen.  Sie  warf  ein  Efalblicht  auf  Griechenland,  und  der
Marmor  wurde  zu  Gestaltungen  vollendetster  Schönheit,  Worte  wurden
zu  Instrumenten  der  erhabensten  Gedanken  und  an  den  schwachen  Milizen
freier  Städte  brachen  sich  die  zahllosen  Scharen  des  großen  Königs,
gleich  Wogen  an  einem  Felsen.  Sie  warf  ihre  Strahlen  aus  die  Vierackergüter ­
  der  italienischen  Bauern,  und  aus  ihrer  Kraft  entsproß  eine
Macht,  die  die  Welt  eroberte.  Die  Freiheit  blitzte  von  den  Schildern
der  deutschen  Krieger,  und  Augustus  beweinte  seine  Legionen.  Aus
der  Nacht,  die  ihrer  Verfinsterung  folgte,  fielen  ihre  schrägen  Strahlen
wieder  auf  freie  Städte,  und  eine  verlorene  Gelehrsamkeit  lebte  wieder
auf,  die  moderne  Zivilisation  hub  an,  eine  neue  Welt  wurde  enthüllt,
und  wie  die  Freiheit  zunahm,  so  entwickelte  sich  auch  die  Kunst,  Wohlstand, ­
  Macht,  Wissen  und  Verfeinerung.  Zn  der  Geschichte  jedes  Volkes
können  wir  dieselbe  Wahrheit  lesen.  Ls  war  die  aus  der  Magna  Charta
entsprossene  Kraft,  die  Lrecy  und  Agincourt  gewann.  Ls  war  die  Erhebung ­
  der  Freiheit  aus  dem  Despotismus  der  Tudor,  die  das  Zeitalter
Elisabeths  verherrlichte.  Es  war  die  Tatkraft  alter  Freiheit,  die  Spanien
in  dem  Augenblick,  wo  es  die  Einheit  errungen  hatte,  zur  mächtigsten
Macht  der  Welt  erhob,  nur  damit  es  in  die  tiefste  Tiefe  der  Schwäche
zurückfalle,  als  die  Tyrannei  die  Freiheit  ablöste.  Man  sehe  in  Frankreich,
wie  unter  der  Tyrannei  des  siebzehnten  Zahrhunderts  alle  geistige  Kraf
hinsinkt,  um  sich  glänzend  wieder  zu  erheben,  als  im  achtzehnten  Zahrhundert
  die  Freiheit  erwachte  und  auf  die  Befreiung  der  französischen
Bauern  in  der  großen  Revolution  die  erstaunliche  Kraft  gründete,  die
in  unserer  Zeit  der  Niederlage  getrotzt  hat.
Sollen  wir  ihr  da  nicht  trauen?
Zn  unserer  Zeit,  wie  vordem,  schleichen  die  hinterlistigen  Kräfte
hervor,  welche  die  Ungleichheit  erzeugen  und  dadurch  die  Freiheit  vernichten. ­
  Am  Horizont  beginnen  die  Wolken  herunterzusteigen.  Die
Freiheit  ruft  uns  wiederum,  wir  müssen  ihr  weiter  folgen,  wir  müssen
ihr  völlig  trauen.  Entweder  müssen  wir  sie  ganz  annehmen  oder  sie  wird
nicht  bei  uns  bleiben.  Es  ist  nicht  genug,  daß  die  Menschen  das  Stimmrecht ­
  haben,  es  ist  nicht  genug,  daß  sie  theoretisch  vor  dem  Gesetze  gleich
sind.  Sie  müssen  Freiheit  haben,  um  sich  die  Gelegenheiten  und  Mittel
des  Lebens  zunutze  machen  zu  können;  sie  müssen  der  Freigebigkeit
der  Natur  gegenüber  auf  gleichem  Fuße  stehen.  Entweder  dies,  oder
die  Freiheit  zieht  ihr  Licht  zurück!  Entweder  dies,  oder  die  Dunkelheit
kommt  heran,  und  dieselben  Kräfte,  welche  der  Fortschritt  entwickelt
hat,  werden  zu  verderbenbringenden  Mächten.  Dies  ist  das  allgemeine
Gesetz.  Dies  ist  die  Lehre  der  Zahrhunderte.  Das  soziale  Gebäude  kann
nicht  bestehen,  wenn  dessen  Grundlagen  nicht  auf  Gerechtigkeit  beruhen.
Unsere  grundlegende  soziale  Einrichtung  ist  eine  Verweigerung
der  Gerechtigkeit.  Zndem  wir  jemandem  gestatten,  den  Grund  und  Boden
zu  besitzen,  auf  welchem  und  von  welchem  andere  Menschen  leben  müssen,
haben  wir  sie  zu  seinen  Knechten  gemacht  in  einem  Grade,  der  sich
            
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