Full text : Fortschritt und Armut

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Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.

Buch  X.

die  Luft  füllte  sich  mit  neuen  Wunderkräften,  der  Boden  mit  frischer
Fruchtbarkeit,  für  jeden  jetzt  wachsenden  Grashalm  sproßten  zwei  und
die  sich  jetzt  fünfzigfach  vermehrende  Saat  gebe  einen  hundertfachen
Ertrag!  Würde  die  Armut  dadurch  vermindert  oder  das  Elend  gelindert
werden?  Offenbar  nein!  Alle  Vorteile,  die  erwachsen  könnten,  würden
nur  vorübergehend  sein.  Die  neuen,  das  Weltall  durchströmenden
Kräfte  könnten  nur  vermittels  des  Grund  und  Bodens  nutzbar  gemacht
werden.  Und  da  derselbe  Privatbesitz  ist,  so  würden  die  Klaffen,  welche
jetzt  die  Gaben  des  Schöpfers  monopolisieren,  auch  alle  die  neuen  für
sich  in  Beschlag  nehmen.  Die  Grundbesitzer  allein  würden  den  Nutzen
davon  haben.  Die  Renten  würden  steigen,  aber  die  Löhne  noch  immer
nach  dem  Pungerpunkte  hinstreben!
Dies  ist  nicht  bloß  eine  nationalökonomifche  Folgerung;  es  ist  eine
Sache  der  Erfahrung,  wir  wissen  es,  weil  wir  es  gesehen  haben.  In
unserer  eigenen  Zeit,  unter  unseren  eigenen  Augen  hat  jene  Macht,
die  über  alles,  in  allem  und  für  alle  ist;  jene  Macht,  von  der  das  ganze
Weltall  nur  die  Ausstrahlung  ist;  jene  Macht,  die  alle  Dinge  erschaffen
hat  und  ohne  welche  nichts  geschaffen  ist,  die  den  Menschen  zum  Genuß
verliehenen  Gaben  so  wirklich  und  wahrhaftig  vermehrt,  als  wenn
dis  Fruchtbarkeit  der  Natur  erhöht  worden  wäre,  In  dem  Geiste  des
einen  erwachte  der  Gedanke,  welcher  den  Dampf  für  den  Dienst  der
Menschheit  anschirrte.  Dem  inneren  Ohre  des  anderen  wurde  das  Geheimnis ­
  zugeflüstert,  welches  den  Blitz  zwingt,  eine  Botschaft  um  die
Erde  zu  tragen.  In  jeder  Richtung  sind  die  Gesetze  des  Stoffes  enthüllt
worden;  auf  jedem  Gebiete  der  Industrie  sind  Arme  von  Eisen  und
Finger  von  Stahl  entstanden,  deren  Wirkung  aus  die  Güterproduktion
genau  dieselbe  war  wie  eine  Zunahme  der  Fruchtbarkeit  der  Natur.
Was  war  das  Resultat?  Einfach,  daß  die  Grundbesitzer  den  ganzen  Gewinn
erlangen.  Die  erstaunlichen  Entdeckungen  und  Erfindungen  unseres
Jahrhunderts  haben  weder  die  Löhne  erhöht  noch  die  Mühsal  erleichtert.
Die  Wirkung  war  einfach  die,  die  wenigen  reicher  und  die  vielen  hilfloser
zu  machen.
Ist  es  gerecht,  daß  die  Gaben  des  Schöpfers  derartig  ungestraft
in  Beschlag  genommen  werden  dürfen?  Ist  es  eine  so  geringe  Sache,
daß  die  Arbeit  ihres  Verdienstes  heraubt  werden  darf,  während  die
Habsucht  sich  in  Reichtum  wälzt  —daß  die  vielen  Mangel  leiden  müssen,
während  die  wenigen  übersättigt  sind?  Man  wende  sich  zur  Geschichte,
und  auf  jeder  Seite  kann  man  die  Lehre  lesen,  daß  solches  Unrecht
nicht  unbestraft  bleibt,  daß  die  Nemesis,  die  der  Ungerechtigkeit  folgt,
niemals  ausbleibt  oder  schläft!  Man  blicke  um  sich.  Kann  dieser  Zustand
der  Dinge  so  fortgehen?  Können  wir  auch  sagen:  „Nach  uns  die  Sintflut ­
  !"  Nein,  die  Pfeiler  des  Staates  zittern  schon  jetzt,  und  die  Grundlagen ­
  der  Gesellschaft  selbst  fangen  an,  von  den  darunter  eingeschlossenen
glühenden  Kräften  zu  beben.  Der  Kampf,  der  entweder  neues  Leben
            
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