Full text: Fortschritt und Armut

Kap. I. 
Die herrschende Lehre vom Lohn. 
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Ganzes, als das Zusammenwirken aller in ihren verschiedenen Gruppen 
Beteiligten zur Befriedigung der verschiedenen wünsche jedes ein 
zelnen, so sehen wir klar, daß der Lohn, den jeder für sein Bemühen 
erhält, als das Ergebnis dieser Anstrengung ebenso wahrhaftig und 
ebenso unmittelbar von der Natur herrührt, wie dies bei dem ersten 
Menschen der Fall war. 
wir wollen dies weiter illustrieren: Zn dem einfachsten Zustande, 
den wir uns denken können, sucht sich jeder seinen Röder und fängt 
seinen Fisch. Die Vorteile der Teilung der Arbeit werden bald er 
sichtlich, und der eine gräbt nach Würmern, während der andere angelt. 
Doch trägt offenbar derjenige, der nach Würmern gräbt, ebensoviel 
zum Fangen der Fische bei, wie derjenige, welcher wirklich fischt, wenn 
später die Vorteile von Rähnen entdeckt sind und einer zurückbleibt, um 
Rähne zu machen und auszubessern, widmet der Rahnmacher seine 
Arbeit in der Tat gerade so sehr dem Fischfänge wie die wirklichen 
Fischer, und die Fische, welche er abends nach der Rückkehr derselben 
ißt, sind nicht minder das Ergebnis seiner Arbeit wie der ihrigen. Zst 
so die Teilung der Arbeit erst in vollem Gange, und fischt der eine, 
jagt der andere, pflückt der dritte Beeren, sammelt der vierte Früchte, 
macht der fünfte Werkzeuge, baut der sechste chütten, verfertigt der 
siebente Rleider, anstatt daß jeder alle seine Bedürfnisse durch direkte 
Inanspruchnahme der Natur zu befriedigen sucht, — dann wendet 
jeder in dem Maße, wie er das unmittelbare Produkt seiner Arbeit gegen 
das unmittelbare Produkt der Arbeit anderer austauscht, tatsächlich 
seine Arbeit zur Erzeugung aller der von ihm gebrauchten Dinge auf 
und befriedigt faktisch seine wünsche durch die Anstrengung seiner be 
sonderen Rräfte; das heißt, was er empfängt, produziert er tatsächlich 
selbst, wenn er wurzeln gräbt und sie gegen wildpret austauscht, 
beschafft er tatsächlich wildpret ebenso, als wenn er das Reh gejagt 
und den Zager selbst seine wurzeln hätte graben lassen. Die gewöhn 
liche Redensart: „ich mache so und so viel", gleichbedeutend mit „ich 
verdiene so und so viel" oder „ich verdiente Geld, womit ich das und 
das kaufte", ist vom nationalökonomischen Gesichtspunkte nicht bloß 
bildlich, sondern buchstäblich richtig, verdienen ist machen! 
Verfolgen wir nun diese Grundsätze, die in einem einfacheren 
Gesellschaftszuftande einleuchtend genug sind, durch die verwickelteren 
Verhältnisse des Zustandes, den wir zivilisiert nennen, so werden wir 
klar sehen, daß in jedem Falle, in welchem Arbeit gegen waren aus 
getauscht wird, die Produktion tatsächlich dem Genusse voraufgeht; 
daß der Arbeitslohn der Verdienst — d. h. das Ergebnis der Arbeit—, 
nicht aber der Vorschuß des Rapitals ist, und daß der Arbeiter, welcher 
seinen Lohn in Geld erhält (das freilich gemünzt oder gedruckt war, 
ehe er die Arbeit begann), tatsächlich für die durch seine Arbeit be 
werkstelligte Vermehrung des allgemeinen Gütervorrats eine An 
weisung auf denselben empfängt, mit der er sich die von ihm gewünschten
	        
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