Haushalten und Unternehmen, II.
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guten Schritt vorwärts zu tun! Da keimen die Forderungen, die schon
aus der Natur des wissenschaftlichen Denkens zu begründen sind;
worunter ich eben ein Denken meine, das stetig über sich selber
hinausstrebt. Nur richten sich diese Forderungen nicht etwa deshalb
auf, weil die Alltagskenntnis falsch sei. Ein Urteil wäre da immer
nur über die Einzelheiten zulässig. Der Inhalt der Alltagskenntnis ist
aber viel zu ungeklärt, um das Einzelne daraus auf wahr oder falsch
Zu beurteilen. Wohl aber kann man vom Ganzen sagen, daß mit der
Alltagskenntnis ein Denken zur Ruhe kommt, das mit dem Handeln
aufwächst, stets nur die Bedürfnisse des Handelns vor Augen hat, un-
behütet von aller Kritik bleibt, und daher nie anders an sich bessert,
als daß es im Vollzüge des Handelns sich ganz von selber berichtigt.
Ein Denken also, von dem wahrlich nicht gilt, es strebe stetig über
s 'ch selber hinaus. Ungefähr in diesem Geiste möchte ich Kenntnis
und Erkenntnis scheiden, und so ergibt sich die Alltags-
k enn tnis als ein fremder Stoff im wissenschaftlichen
Senken, den das letztere ausstoßen muß.
Meine Darlegung mußte um so roher bleiben, als der Sachverhalt
em se h r in sich verspreizter ist, und sich nur gewaltsam in Kürze
abtun läßt. Ein drohendes Mißverständnis ist aber jedenfalls abge
wandt: Sie bemerken, mit der Erkenntnis des Alltäglichen steuern wir
ei eibe nicht einer „Philosophie des Banalen“ zu, die irgendwie das
nationalökonomische Denken über seine Grenzen drängt. Es handelt
^ C h urn e ine ungemütlich nüchterne Sache: Schärfere Zucht im
e n k e n, auf Kosten seiner Bequemlichkeit, seiner lieben Gewohn-
h eiten!
Jenen Forderungen entspinnt sich nun unser Problem. 1
gilt es, ungeklärte Anschauungen, auf denen das nationalokonom
Denken fußt, i n tätiger Erkenntnis zu läutern. So hilft unser ro
dazu mit, jenes Erbe, das auch dem nationalökonomischen en en
zufällt, erst noch zu erwerben, um es recht zu besitzen. Die beson ere
Au fgabe, die sich zu unserem Probleme fassen läßt, soll dann auf
einem Umwege klar werden, der sich durch besseres Verständnis be
zahlt macht. Vorher einen Seitenblick auf die tatsächlichen Verhält
nisse in der Nationalökonomie. ..... ,
Die Frage ersteht ob die Nationalökonomie nicht langst schon
versucht hat, jene banausische Art von „Apriori“ aus ihrem Denken
auszumerzen. Zunächst ist ja nichts natürlicher, als daß sich besonders
in der Wissenschaft vom Alltäglichen die Worte herumtreiben, die
gleichsam die Leibworte des Alltags sind: Jene vieberühmten Worte
»Wirtschaft“, „Gut“, „Wert“, „Kapital“, „Geld“, „Vermögen“
usw.,