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„Die Herrschaft des Wortes“,
nimmer von jener Erkenntnis des Unzerfällten, mit der allein
auch der Welt des Handelns, dem Größer-Ich, das volle Recht wird.
Diese Erkenntnis ist allermenschlichste Erkenntnis; ihr allein ist unser
Schicksal greifbar, das ja mit dem Spiel der Molekeln und bloßen
Empfindungen nichts gemein hat. Darum ist diese Erkenntnis auch
niemals eine „überholte“; und wenn man noch so geringschätzig, so
recht im Pfuiteufelton von ihr spricht, weil sie der naturwissenschaft
lichen Erkenntnis „entgegen“ sei.
Da sich unser Ich darin spiegelt, ist alles Geschehen des Handelns
für uns Erlebnis. Wir nehmen es geradeaus als Miterlebtes ent
gegen, auf dem Umwege der Sprache als Nach er lebt es. Es trifft
mit diesem Erleben zusammen, daß uns alles Geschehen des Handelns
gleich mit einem Gehalte zufällt. So können wir z. B. zwar von der
„auffälligen Bewegung eines menschlichen Armes“ reden; im Geiste
jenes zerfällenden Denkens, das uns so nahe liegt, weil uns das Handeln
selber dafür schult. Aber jene „auffällige Bewegung“ ist nie das
harmlos Gegebene für uns; was wir wahrnehmen, das ist sofort ein
„Drohen“, oder „Winken“, oder „Grüßen“ u. dgl. Zu den mannig
fachsten Zusammenhängen sind eben schon in der Wahrnehmung die
Ansätze da, die im Weiterdenken dann ins schrankenlose auswuchern.
In diesem Sinne spinnt sich das Geschehen schon in seiner schlichten
Erlebtheit in die Zusammenhänge mit Seinesgleichen ein; hinter dem
„Drohen“ steht z. B. die „Strafe“ oder der „Angriff“. Und so ist der
Gehalt dieses Geschehens eins damit, daß sich letzteres dem Einen
Gewebe der Erlebnisse einknüpft — im Weiterdenken in der reich-
fältigsten Art! Nur in der prallen Wahrnehmung kann uns jener
Gehalt des Geschehens zunächst bloß im Grundsätze vorhanden sein;
als ein leeres oder doch nur auf sofortigen Widerruf beschriebenes
Blatt. Das eine Mal sagen wir etwa „Was will der Mann 1“; im anderen
Falle „Mir war’s, als ob er gedroht hätte“.
Das Vorbild des eigenen Handelns läßt uns das erlebte Geschehen
nicht bloß in seinen strebigen Zusammenhängen durchschauen;
nicht bloß auf die Art und Weise hin, wie das nächste Streben durch
seinen Erfolg sich selber, und zugleich auch einem ferneren, bis einem
fernsten Streben dienen will. Dadurch allein schon ist der Grundstock
gelegt für die außerordentliche Vielverwobenheit des erlebten Ge
schehens. Aber nach dem Vorbilde unseres Handelns durchschauen
wir das erlebte Geschehen gleich auch in seinen seitlichen Zu
sammenhängen. Ich meine die Art, wie sich Handlungen, die ganz
verschiedenem Streben antworten, wechselseitig bedingen, auch
wenn sie nicht gleichzeitig vollzogen werden; und so auch Hand