Full text : Wirtschaft als Leben

IÖ2

„Die  Herrschaft  des  Wortes“,

nimmer  von  jener  Erkenntnis  des  Unzerfällten,  mit  der  allein
auch  der  Welt  des  Handelns,  dem  Größer-Ich,  das  volle  Recht  wird.
Diese  Erkenntnis  ist  allermenschlichste  Erkenntnis;  ihr  allein  ist  unser
Schicksal  greifbar,  das  ja  mit  dem  Spiel  der  Molekeln  und  bloßen
Empfindungen  nichts  gemein  hat.  Darum  ist  diese  Erkenntnis  auch
niemals  eine  „überholte“;  und  wenn  man  noch  so  geringschätzig,  so
recht  im  Pfuiteufelton  von  ihr  spricht,  weil  sie  der  naturwissenschaftlichen ­
  Erkenntnis  „entgegen“  sei.
Da  sich  unser  Ich  darin  spiegelt,  ist  alles  Geschehen  des  Handelns
für  uns  Erlebnis.  Wir  nehmen  es  geradeaus  als  Miterlebtes  entgegen, ­
  auf  dem  Umwege  der  Sprache  als  Nach  er  lebt  es.  Es  trifft
mit  diesem  Erleben  zusammen,  daß  uns  alles  Geschehen  des  Handelns
gleich  mit  einem  Gehalte  zufällt.  So  können  wir  z.  B.  zwar  von  der
„auffälligen  Bewegung  eines  menschlichen  Armes“  reden;  im  Geiste
jenes  zerfällenden  Denkens,  das  uns  so  nahe  liegt,  weil  uns  das  Handeln
selber  dafür  schult.  Aber  jene  „auffällige  Bewegung“  ist  nie  das
harmlos  Gegebene  für  uns;  was  wir  wahrnehmen,  das  ist  sofort  ein
„Drohen“,  oder  „Winken“,  oder  „Grüßen“  u.  dgl.  Zu  den  mannigfachsten ­
  Zusammenhängen  sind  eben  schon  in  der  Wahrnehmung  die
Ansätze  da,  die  im  Weiterdenken  dann  ins  schrankenlose  auswuchern.
In  diesem  Sinne  spinnt  sich  das  Geschehen  schon  in  seiner  schlichten
Erlebtheit  in  die  Zusammenhänge  mit  Seinesgleichen  ein;  hinter  dem
„Drohen“  steht  z.  B.  die  „Strafe“  oder  der  „Angriff“.  Und  so  ist  der
Gehalt  dieses  Geschehens  eins  damit,  daß  sich  letzteres  dem  Einen
Gewebe  der  Erlebnisse  einknüpft  —  im  Weiterdenken  in  der  reichfältigsten
  Art!  Nur  in  der  prallen  Wahrnehmung  kann  uns  jener
Gehalt  des  Geschehens  zunächst  bloß  im  Grundsätze  vorhanden  sein;
als  ein  leeres  oder  doch  nur  auf  sofortigen  Widerruf  beschriebenes
Blatt.  Das  eine  Mal  sagen  wir  etwa  „Was  will  der  Mann  1“;  im  anderen
Falle  „Mir  war’s,  als  ob  er  gedroht  hätte“.
Das  Vorbild  des  eigenen  Handelns  läßt  uns  das  erlebte  Geschehen
nicht  bloß  in  seinen  strebigen  Zusammenhängen  durchschauen;
nicht  bloß  auf  die  Art  und  Weise  hin,  wie  das  nächste  Streben  durch
seinen  Erfolg  sich  selber,  und  zugleich  auch  einem  ferneren,  bis  einem
fernsten  Streben  dienen  will.  Dadurch  allein  schon  ist  der  Grundstock
gelegt  für  die  außerordentliche  Vielverwobenheit  des  erlebten  Geschehens. ­
  Aber  nach  dem  Vorbilde  unseres  Handelns  durchschauen
wir  das  erlebte  Geschehen  gleich  auch  in  seinen  seitlichen  Zusammenhängen. ­
  Ich  meine  die  Art,  wie  sich  Handlungen,  die  ganz
verschiedenem  Streben  antworten,  wechselseitig  bedingen,  auch
wenn  sie  nicht  gleichzeitig  vollzogen  werden;  und  so  auch  Hand ­
            
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