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,Die Herrschaft des Wortes“,
entfaltet sich aber das eingeschöpfte Geschehen. Immer ausgesprochener
denken wir in den Formen von Zustand und Entwicklung. Es
verrät sich da, daß Zustand und Entwicklung den zwei einander er
gänzenden Weisen einer Schilderung entsprechen. Eine Schilderung
hebt da an, die nicht schlechthin ein eigenartiges Handeln zum Gegen
stand hat. Je ehrlicher wir es mit der Sache nehmen, desto wahr
nehmbarer folgt unser Denken einem „roten Faden“, der ein Vieler
lei von zuständlich erfaßtem Handeln zu einer Einheit verschnürt.
Diese Einheit entspringt also wirklich nicht der Willkür unseres Denkens.
Sie erscheint unserem Denken gesetzt. Wie dies zu verstehen sei,
soll nun mit dem Seitenblick auf unser Gleichnis erläutert werden.
Beim Flusse bleibt die auslösende Bedingung des Geschehens
immer die gleiche. So einförmig sind die Auslösungen des erlebten
Geschehens sicher nicht. Wir müssen mit einer Vielart von Streben
rechnen. Daneben ist das Spiel der Determinanten, der Wechsel in
der Art und Weise der seitlichen Bedingungen zum mindesten so
mannigfaltig wie in der Natur. Kein Zweifel also, daß hier die Wieder
kehr im Geschehen eine überaus vielgeschiedene sein muß. Das Ge
schehen kehrt zur gleichen Zeit in einer Unzahl von Spielarten wieder,
jede für sich bildet eine Zeitreihe von Vollzügen. Von dem Geschehen,
das einem solchen Inhalte verfällt, kann man daher sagen, es wälze sich
als ein ganzes Bündel wiederkehrenden Geschehens durch
die Zeit. Im Bilderbuch der aufgezählten Beispiele kann man diese
Dinge alle nachblättern.
Zur einen Hand sei an das Gewoge in jener bunten Welt gedacht,
der Alltag bietet dahin einen günstigen Ausblick; zur anderen Hand,
daß unser Denken nicht willkürlich eingreifen darf: wie grenzt sich trotz
dem ein solches Bündel Geschehen als eine geschlossene Einheit heraus?
Die Anschauung kann hier unmöglich den Ausschlag geben; von
ihrem Boden aus kann man höchstens von einem „Getümmel“, oder
von einem „Gedränge“, einer „Ansammlung“ sprechen; während z. B.
schon ein „Auflauf“ geistige Wurzeln hat. Das Anschauliche geht hier
in mannigfacher Weise nur nebenher. Es stützt zuweilen, ich möchte
sagen, das geographische Gegenstück jener Inhalte; man denke an die
„Stadt“, die uns als „Häusermeer“, übrigens auch schon mit Vorbehalten,
anschaulich ist; während es sich für uns um die „Gemeinde“ handeln
würde, die ja nicht die Körpersammlung, selbst nicht die bloße Personen
gemeinschaft ihrer Bürger ist. Anders wieder ist das Anschauliche in
der Symbolik da: die Wappen und Fahnen, die Siegel und Unter
schriften. Solange wir überhaupt vor der Welt des Handelns stehen,
ist aber offenbar das Erleben dazu berufen, den „roten Faden“ zu