Full text: Wirtschaft als Leben

Haushalten und Unternehmen, IX. 
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laienhafte Denken aber sucht stets diesen Ausweg. Wird 
uns durch seinen Namen ein Gebilde vorgehalten, vor dem sich unser 
Denken verlegen im „Außen“ fühlt, dann spähen wir sofort nach 
einem solchen „Zwecke“ aus. Vor allem sehen wir uns schon das 
nennende Wort daraufhin an; unser Denken buchstabiert wieder einmal. 
Seine Absicht ist dabei recht klar; es trachtet nach einem Surrogat 
für jene „technische Formel“, deren Fehlen eins ist mit der Unkenntnis 
der Struktur des Gebildes. Das Surrogat kommt aber damit zustande, 
daß wir jenen „Zweck“ mit dem allgemeinen Schema in Ver 
bindung setzen, über das sich unsere Alltagskenntnis auch in der 
Richtung der strebigen Zusammenhänge ausdehnt. Von einem 
„Zwecke“ aus, auch in diesem abgeleiteten Sinne, wissen wir uns eben 
allezeit zurechtzufinden. Da geht uns unser Mutterwitz an die Hand 
und lehrt, worauf es da allemal ankommt: Man zergliedert den Zweck 
gehalt des Strebens zu einem ganzen Systeme, zu einer „zielsamen 
Verkettung von Zwecken“, und spürt dann überallhin die „Wege zum 
Zweck“ aus, die unser Handeln beschreiten muß, um am „Erfolge“ 
auszumünden; an jenem bedingten Ruhepunkte, den unser vor- oder 
rückschaüendes Denken im ewigen Flusse des Geschehens wahrnimmt, 
um zugleich das Geschehen selber, wie es sich am „Erfolge“ zu stauen 
scheint, als vollzogen zu erfassen, als „Tat“. Eigentlich gilt ja dieses 
Schema nur für die einzelne und bestimmte Handlung. Wir unter 
schieben sie jedoch auch dem unbestimmten Ganzen 
der Handlungen, die wir im Rahmen des Gebildes an 
nehmen. In solcher Weise besitzen wir einen Rohschlüssel auch für 
die Struktur der Gebilde: einen Schlüssel, dessen Bart wir erst jedesmal 
zufeilen. Fehlt uns aber selbst die Kenntnis eines „Zweckes“, dann 
mangelt uns damit die Feile. Das trifft in den zahllosen Fällen zu, 
für die wir dann wirklich im „Außen“ stehen. Dann geschieht es 
auch, daß wir der besseren Schlüssel vergessen, die unsere Alltags 
kenntnis bereit hält: aus Kleinmut unseres Denkens vergessen wir 
dann auch der Alltagskenntnis selber! 
Wie viele Leute sprechen nicht von der „Börse 1 , mitunter sehr 
temperamentvoll. Aber was denkt sich der Gebildete im Durchschnitt 
darunter? Ich meine natürlich, beim nachsinnlichen Verweilen über 
dem Worte; denn im Flusse der Rede plätschern auch derlei Namen 
recht munter, und wenn unser Denken vor dem so Benannten noch 
so verlegen im „Außen“ stünde. Freilich, in diesem besonderen Fall 
muß schon die Wahrnehmung kopfscheu machen, wie sehr sich ge 
legentlich die Juristen, sogar die Juristen um den „Begriff der Börse“ 
abquälen. Ihre Kalamität wurzelt aber darin, daß hier die wort er
	        
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