Full text : Wirtschaft als Leben

Haushalten  und  Unternehmen,  IX.

201

laienhafte  Denken  aber  sucht  stets  diesen  Ausweg.  Wird
uns  durch  seinen  Namen  ein  Gebilde  vorgehalten,  vor  dem  sich  unser
Denken  verlegen  im  „Außen“  fühlt,  dann  spähen  wir  sofort  nach
einem  solchen  „Zwecke“  aus.  Vor  allem  sehen  wir  uns  schon  das
nennende  Wort  daraufhin  an;  unser  Denken  buchstabiert  wieder  einmal.
Seine  Absicht  ist  dabei  recht  klar;  es  trachtet  nach  einem  Surrogat
für  jene  „technische  Formel“,  deren  Fehlen  eins  ist  mit  der  Unkenntnis
der  Struktur  des  Gebildes.  Das  Surrogat  kommt  aber  damit  zustande,
daß  wir  jenen  „Zweck“  mit  dem  allgemeinen  Schema  in  Verbindung ­
  setzen,  über  das  sich  unsere  Alltagskenntnis  auch  in  der
Richtung  der  strebigen  Zusammenhänge  ausdehnt.  Von  einem
„Zwecke“  aus,  auch  in  diesem  abgeleiteten  Sinne,  wissen  wir  uns  eben
allezeit  zurechtzufinden.  Da  geht  uns  unser  Mutterwitz  an  die  Hand
und  lehrt,  worauf  es  da  allemal  ankommt:  Man  zergliedert  den  Zweckgehalt ­
  des  Strebens  zu  einem  ganzen  Systeme,  zu  einer  „zielsamen
Verkettung  von  Zwecken“,  und  spürt  dann  überallhin  die  „Wege  zum
Zweck“  aus,  die  unser  Handeln  beschreiten  muß,  um  am  „Erfolge“
auszumünden;  an  jenem  bedingten  Ruhepunkte,  den  unser  vor-  oder
rückschaüendes  Denken  im  ewigen  Flusse  des  Geschehens  wahrnimmt,
um  zugleich  das  Geschehen  selber,  wie  es  sich  am  „Erfolge“  zu  stauen
scheint,  als  vollzogen  zu  erfassen,  als  „Tat“.  Eigentlich  gilt  ja  dieses
Schema  nur  für  die  einzelne  und  bestimmte  Handlung.  Wir  unterschieben ­
  sie  jedoch  auch  dem  unbestimmten  Ganzen
der  Handlungen,  die  wir  im  Rahmen  des  Gebildes  annehmen. ­
  In  solcher  Weise  besitzen  wir  einen  Rohschlüssel  auch  für
die  Struktur  der  Gebilde:  einen  Schlüssel,  dessen  Bart  wir  erst  jedesmal
zufeilen.  Fehlt  uns  aber  selbst  die  Kenntnis  eines  „Zweckes“,  dann
mangelt  uns  damit  die  Feile.  Das  trifft  in  den  zahllosen  Fällen  zu,
für  die  wir  dann  wirklich  im  „Außen“  stehen.  Dann  geschieht  es
auch,  daß  wir  der  besseren  Schlüssel  vergessen,  die  unsere  Alltagskenntnis ­
  bereit  hält:  aus  Kleinmut  unseres  Denkens  vergessen  wir
dann  auch  der  Alltagskenntnis  selber!
Wie  viele  Leute  sprechen  nicht  von  der  „Börse 1 ,  mitunter  sehr
temperamentvoll.  Aber  was  denkt  sich  der  Gebildete  im  Durchschnitt
darunter?  Ich  meine  natürlich,  beim  nachsinnlichen  Verweilen  über
dem  Worte;  denn  im  Flusse  der  Rede  plätschern  auch  derlei  Namen
recht  munter,  und  wenn  unser  Denken  vor  dem  so  Benannten  noch
so  verlegen  im  „Außen“  stünde.  Freilich,  in  diesem  besonderen  Fall
muß  schon  die  Wahrnehmung  kopfscheu  machen,  wie  sehr  sich  gelegentlich ­
  die  Juristen,  sogar  die  Juristen  um  den  „Begriff  der  Börse“
abquälen.  Ihre  Kalamität  wurzelt  aber  darin,  daß  hier  die  wort  er ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.