Full text : Wirtschaft als Leben

A  -  --Ausblicke,

  III.

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Wortestrug  ganz  abgesehen,  rennen  diese  „Gesetze“  meistens  offene
Türen  ein!  Wer  sie  „findet“,  will  nun  keineswegs  der  Selbsterkenntnis,
er  will  doch  der  Erkenntnis  dienen.  Er  denkt  nicht  im  entferntesten
an  eine  „Theorie  vor  den  Tatsachen“,  sondern  an  eine  „Theorie  statt
der  Tatsachen“.  Das  liegt  ja  im  Wesen  der  „Unifikation“.  Im  Erfolge
aber  bietet  er  das  Erstere  an  Stelle  des  Anderen.  „Theorie  statt  der
Tatsachen“  ist  überhaupt  nicht  vorhanden,  weil  die  Beobachtung  im
Grundsätze  entbehrlich  ist,  und  höchstens  als  „Bestätigung“  erscheint,
in  Wortseligkeit.  „Theorie  vor  den  Tatsachen“  aber  wird  hier  nur
wider  Willen  gefunden,  und  daher  in  einer  höchst  fragwürdigen  unbrauchbaren ­
  Gestalt.  Will  man  sich  deutlicher  machen,  wie  diese
»Gesetze“  zumeist  nur  einen  brüllenden  Gemeinplatz  aussprec  en,  einen
Hergang  im  Handeln,  den  man  sich  an  den  fünf  Fingern  a  za  en
kann,  nun,  dann  denke  man  einfach  an  die  wirtschaftliche  Bauernregel
von  „Angebot  und  Nachfrage“!  Diese  besonders  steckt  als  „Kern  in
so  manchem  dieser  „Gesetze“,  mit  denen  nichts  erreicht  ist,  als  le
Verekelung  der  ehrlichen,  mühseligen  Tatsachenforschung;  man  glaubt
eben  schon  Alles,  oder  doch  genug  zu  wissen.  Im  Erfolge  ist  es  eine
Art  schlimmsten  Raubbaues,  an  den  Erkenntnisaufgaben  der  Wissenschaft ­
  verbrochen.  Nun  wären  noch  jene  „Gesetze“  zu  berühren,  die
stets  die  Paradepferde  blieben,  die  sie  von  Anfang  an  waren.  Unwillkürlich ­
  erinnert  man  sich  an  die  Klage  eines  scharfen  und  ehrlichen
Denkers,  daß  ihm  die  „historischen  Gesetze“  ein  unerfüllter  Traum
geblieben  sind.  Es  verblieb  eben  bei  jenen  „Gesetzen“,  die  einst  als
die  Verheißung  eines  Neuen  Zeitalters  in  der  Wissenschaft  des  Handelns
begrüßt  wurden:  Die  Wiederkehr  in  der  jährlichen  Zahl  der  Selbstmorde,
Verbrechen  usw .  Das  wären  im  besten  Falle  bloße  Gesetzmäßigkeiten,
  „empirische  Gesetze“,  die  noch  nicht  der  Verallgemeinerung
eines  Geschehens  entsprechen,  noch  nicht  dem  „Kausalgesetz“.  Auch
bloße  Gesetzmäßigkeiten  sind  sie  nur  scheinbar;  sie  sind  keineswegs
das  A,  zu  dem  ein  Gesetz,  die  Verallgemeinerung  eines  Geschehens,
d as  B  sagen  kann.  Bei  ihrer  Erzielung  wird  ja  von  allem  Zusammenhang ­
  abgesehen;  mit  dem  hört  aber  zugleich  das  Geschehen  auf,  von
dern  sie  eine  Abfolge  verraten  könnten,  die  der  Verallgemeinerung
standhält.  Es  liegt  dies  im  Wesen  ihrer  Erzielung,  in  der  bloßen
Durchzählung  von  Fällen,  bei  der  man  nicht  an  den  Zusammenhang ­
  denkt,  der  zweifellos  vorhanden  ist,  sondern  an  rein  äußerliche
Grenzen,  innerhalb  deren  gezählt  wird!  In  diesem  Sinne  bedeuten
sie  zunächst  nichts  als  eine  Bestätigung  des  Wahrscheinlichkeitskalküls.
Ihr  Nutzen  als  „Symptome“  bleibt  ja  von  ihrer  Würde  oder  Unwürde
a!s  „Gesetze“  ganz  unberührt.  „Symptomatisch“  ist  übrigens  gerade
enfeld,  Wirtschaft  als  Leben.  V

v-  Gottl-Ottlilie
            
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