Ausblicke, XIII.
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finden. Unser Denken ist stets dazu geneigt, dem Worte mehr zu
glauben als sich selber.
Aus Gründen, die noch absehbar werden, ist es dem Sprach
gefühle gemäß, nennt man die notbedungenen Zusammenhänge
im Handeln die „wirtschaftlichen“ und die machtbedingen
den wieder die „gesellschaftlichen“. Die Sache selbst wird
nicht besser, noch schlechter dadurch; sie ist und bleibt in jener
Gestalt und von jenem Ernste, wie sie im Walten freibewegten
Denkens zu entwickeln war. Weil aber auch diese zweite, gleichsam
überschüssige Nennung eine so ungesuchte ist, ergibt sich zugleich
der Sinn, wie man eindeutig und friedlich vom „Gesellschaft
lichen“ und vom „Wirtschaftlichen“ reden kann. Unter dem
letzteren, z. B., wird dann einfach das gemeint, worauf der Blick vor
allem fällt, sobald er aus dem Gesichtspunkte der Not auf die Welt
des Handelns trifft; sobald also in nächster Linie die notbedungenen
Zusammenhänge besonders ins Licht treten, natürlich aber nur vor
diesem Blicke. Im Erlebten selber bleiben die notbedungenen
mit den machtbedingenden, und auch mit den strebigen
Zusammenhängen, unlösbar verflochten; ich komme bald darauf
zurück, daß schon die Sonderung dieser dreierlei Zusammenhänge nur
einer Willkür unseresDenkens entspringt. Dem Erlebten selber,
in seinem Allzusammenhang, tut diese Sonderung schon Gewalt an,
eine Tatsache, über die uns abermals auch der Umstand beirrt, daß
wir in der gleichen Art der kürzenden und klärenden Willkür vor
schauend denken, wie wir es rückschauend tun. Dies darf man nie
vergessen, wenn man sich erinnern wollte, daß wir doch im Leben
°ft genug etwas „Wirtschaftlichem“, etwas „Gesellschaftlichem“ bewußt
entgegensehen. Die Zusammenhänge, die bei ihrer Verknotung unser
lebendiges Denken durchziehen, sind manchmal schon dabei den Worten
angekettet, deren Hilfe sich dieses lebendige Denken bedient, bei seinen
Willkürakten gegen sich selber.
Nichts ist mißtrauischer als Vorurteile, denen es an den Kragen
geht! Ich muß daher erläutern, in welchem Sinne hier eine „Be
stimmung des Wirtschaftlichen“ erfolgt sei. Beim Ausgange vom
W orte, da will man stets etwas „bestimmen“. Z. B. also das
55Wirtschaftliche“; doch müßte die „Bestimmung der Wirtschaft“ voran
gehen, weil unter dem Zeichen des Wortes auch die Grammatik
dl rigiert und nicht bloß Ordnung hält. Dieses „Bestimmen“ ist hier
als ein „Näher-Bestimmen“ gemeint, als ein Klären. Um zu klären,
muß aber wenigstens das Ungeklärte außer Zweifel sein. Die Bestimmt
heit des Ungeklärten, des „Bestimmbaren“, erachtet man nun durch