Full text : Wirtschaft als Leben

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,Die  Herrschaft  des  Wortes 11 ,

sofort  springt  ihr  die  isolierende  zu  Hilfe.  So  wird  auch  das
Flechtwerk  des  Menschheitslebens  nicht  schlechthin  zum  Gedankenbild.
Die  Zustände  werden  nicht  bloß  begrifflich  vereinfacht,  in  der  Ablösung
vom  Zeitenlauf;  sie  werden  in  sich  geteilt.  Im  Widerspruche  zu  dem
Einen  Gewebe  der  Erlebnisse,  dem  auch  die  theoretische  Umformung
des  „Menschheitslebens“  als  das  Eine  und  Ungeteilte  nacheifert,  geht
da  eine  Abspaltung  vor  sich.  Man  zappelt  mehrere  kleine  Schritte,
um  sich  den  unbequemen  einen  zu  ersparen,  der  hier  allein  am  Platze
wäre.  Denn  es  handelt  sich  offenkundig  um  keine  Auslese,  nach  der
die  Forschung  selber  hingedrängt  würde,  durch  einen  von  Haus
aus  und  zwingend  hinzutretenden  Gesichtspunkt  Der  Gesichtspunkt
tritt  nur  der  Bequemlichkeit  wegen  hinzu  und  bewirkt  dann  jene  rein
gedankliche  Auslösung,  die  nur  der  Lehrzweck  rechtfertigen  kann.  Es
kommt  dadurch  zu  scheinbaren  Einheiten  der  Erkenntnis,  die  eben  nur
Einheiten  der  lehrhaften  Übermittlung  von  Wissen  sind.  Sie  werden
nicht  minder  zu  „Gebieten“  umgedacht.  Aber  weder  ahnt  man,  daß
hier  nur  der  Gesichtspunkt  dahintersteckt;  noch  weniger,  daß  es  hier
in  ganz  anderer  Weise  der  Fall  ist  als  bei  anderen  „Gebieten“,  die
man  im  friedlichen  Nebeneinander  wähnt.  Ein  „Gebiet“  wie  das
„Wirtschaftsleben“  hat  nicht  im  entferntesten  die  Würde  des  „Rechtslebens“, ­
  des  „Sittenlebens“,  des  „Kunstlebens“  der  Menschheit;  oder
sonst  einer  dieser  intimeren  „Welten“,  die  wir  aus  dem  gültigen  Grunde
vor  uns  sehen,  weil  da  buchstäblich  mit  ganz  anderen  Augen  in  die
Welt  des  Handelns  geschaut  wird.  Hier  dagegen  dreht  es  sich  um
„Gebiete“,  die  ausgesprochen  nur  Kinder  unserer  Denkfaulheit
sind.  Sie  antworten  einer  Trennung  im  Gesichtspunkte,  die  überhaupt
nur  dem  oberflächlichsten  Blicke  möglich  wird;  ich  habe  im  voraus
die  Wendung  „aus  der  didaktischen  Vogelschau“  gebraucht.
Im  ganzen  wird  hier  schon  klar,  daß  die  schildernde  Wissenschaft
nicht  als  Wissenschaft  vom  Menschheitsleben  in  der  Larve  der  „Systematik“ ­
  stecken  konnte,  nicht  in  solcher  einfach,  sondern  in  jener
zweifach  geschundenen  Gestalt.  Und  tatsächlich  in  diesem  mehr  als
reduzierten  Aussehen  befand  sich  die  Nationalökonomie,  als  sie
„klassisch“  war.  Auf  diesem  dürren  Ästlein  einer  gedoppelten  Reduktion
saßen  die  Leute  und  offenbarten  die  „ewigen“  und  „ehernen  Gesetze“,
die  „der  Nachwelt  nichts  mehr  zu  tun  übrig  lassen“.  Es  ist  auch
sofort  klar,  weshalb  es  eine  „Wissenschaft  vom  Wirtschaftlichen“
war,  als  Station  der  schildernden  Wissenschaft  auf  dem  Leidenswege
zu  sich  selber.  Wenn  der  Alltag  zum  wissenschaftlichen  Bewußtsein
aufwachen  sollte,  dann  war  es  der  Gesichtspunkt  der  Not,  der  nottat.
            
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