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„Die Herrschaft des Wortes“,
und weiter, daß jene vereinfachenden Gesichtspunkte, der Not und der
Macht, schon für ihren eigenen Teil nicht würdig seien, um Ein
heiten der Erkenntnis aus ihnen herzuleiten.
Es ist kein Appell an den einzelnen Forscher nötig, ob ihm die
Scheidung zwischen dem „Wirtschaftlichen“ und dem „Gesellschaft
lichen“ nicht um so zweifelhafter erscheine, je tiefer er in seinen
lebendigen Stoff sich versenkt. Denn so, wie diese Scheidung allein
ernst zu nehmen geht, fällt sie für den Blick aufs Ganze viel zu ver
schwommen aus, um nicht dem Einzelnen gegenüber zu versagen.
Aber nur mit dem Einzelnen hat es der Forscher zu tun, wenn er dem
Erlebten nachzuleben sucht. Einzig bei der Darstellung seiner
Ergebnisse ändert sich das Bild. Alle Darstellung ist der Lehre ver
wandt, auch wenn sie dem Lehrzweck nicht gehorcht, wenn man über
Ergebnisse einfach Rechenschaft ablegt. Auch da muß jeden Augen
blick zusammenfassend gesprochen werden, im bloßen Rückblick auf
Einzelheiten. Selbst dort, wo der Schwerpunkt notwendig bei diesen
Einzelheiten belegen ist, wie gerade in Wissenschaften, die im Sonder
begriffe gipfeln. Man erinnere sich an alle „Generalisierungen“
historischer Darstellung. Z. B. an den eigentümlichen Umstand, daß
hier von „Ideen“ gesprochen wird, die sich im Geschehen „auswirken“.
Das sind Formen der Darstellung, bei denen gleichsam nur
rhetorisch das Verallgemeinerte zum „Obersatz“ wird, aus dem das
Einzelne als „notwendig“ darstellbar erscheint Die Forschung
selber, dort, wo sie dem Erlebten nachwandelt, fühlt sich nicht im ent
ferntesten im Dienste einer Verallgemeinerung; nicht der Forscher als
solcher, nur in seiner Eigenschaft als „Geschichtsschreiber“ kommt da
äußerlich in die Lage, die für den Naturforscher im Wesen gilt. In
der Nationalökonomie spielen diese Formen generalisierender Dar
stellung eine ungleich größere Rolle; man denke an „typische Verläufe“,
an „Entwicklungstendenzen“. Hier sticht Dies aber von dem eigent
lichen Gehalte der Darstellung nicht so grell ab; das bewirkt der Hang
dieser Wissenschaft zu Art und Wiederkehr, trotzdem auch sie im
Sonderbegriffe gipfelt. Allein, von diesen Dingen, die fast noch über die
Methodologie hinausliegen, sehe ich mit vollem Rechte ab. Denn auch
hier ist das Verhältnis zwischen Denken und Stoff in letzter Linie
entscheidend. Nur vorübergehend auch noch jenes zwischen Forschung
und Material. Ihm gegenüber müßte sich jene Scheidung bewähren.
Aber da versagt sie völlig, weil sie eben nur dem schülerhaften Denken
gewachsen bleibt, dessen Blick oberflächlich über das runde Ganze
schweift. Die nämliche isolierende Abstraktion, die nur dem Lehrbuch
so gelegen kommt, müßte der Forschung die Kehle zuschnüren; wenn