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,Die Grenzen der Geschichte“,
auf das Vorgegangene ist nun ein sehr einfacher. Es bedarf
jedesmal nur der Erwägung, welches System kausaler Verkettungen
in dem Entstehen der fraglichen Formen ausmünden könnte. Dieses
System bedeutet dann schon den naturwissenschaftlichen Ausdruck für
das Geschehen, das zu interpolieren wäre; als Einschub nämlich
zwischen dem vorliegenden und einem als Ausgangszustand gedachten
Sein, z. B. also zwischen dem Felsenmeer und einer zerklüfteten Granit
schicht. Nun steht aber hinter den kausalen Verkettungen, die uns
hier das Geschehen erfaßlich machen, als ihr letzterSinn das Natur
gesetz in seinen verschiedenen Spielarten, die sich sämtlich nicht
minder auf das Schema „auf A folgt B“ bringen lassen; nur daß sich
dieses Schema verschleiert, sobald im Gesetze auch der mathematisch
verfeinerte Ausdruck für die Größenbeziehung zwischen A und B
enthalten ist. Wie man also zum vorläufigen Abschluß sagen kann,
interpoliert die Metahistorie ein Geschehen, das uns
vom Boden der Naturgesetze aus erfaßbar ist, als
eine Abfolge von Erscheinungen.
Das Ergebnis der Interpretation, die an diesem Orte der Hi
storiker vornimmt, kann man dahin zusammenfassen, daß hier Römer
an der Arbeit waren. An dieser Interpretation lassen sich aber zwei
Teile unterscheiden. Für den praktischen Betrieb der Wissenschaft,
für die ausübende Historie, ist nur der zweite Teil von Interesse:
in der Einsicht gipfelnd, daß es gerade die Römer waren, die hier
gearbeitet. Dieser zweite Teil stellt die eigentliche
Forschungsleistung des Historikers dar; erst damit ist in
das Eine und große Gewebe der Erlebnisse, dem die Historie als ihrem
Erkenntnisziele nachgeht, eine neue Masche eingeflochten worden.
Der erste Teil der Interpretation dehnt sich nur bis zu der Einsicht,
daß hier überhaupt gearbeitet worden ist, nämlich Säulen zu
gerüstet. Bis hierher fällt uns die Interpretation so überaus leicht, daß
sie fast unbewußt bleibt; ihr Ergebnis kommt beinahe einem un
mittelbaren Eindruck gleich. Das Bild der eigentümlich regelmäßigen
Formen im Gesteine hebt sich für unser Auge so unwillkürlich von
dem Gesamtbilde ab, ruft so unmittelbar die Vorstellung der Menschen
hand herbei, die in wählender Tat geschäftig war, daß wir die Mit
arbeit unseres Denkens an diesem Eindrücke nur zu leicht vergessen.
Der Historiker wäre sicher geneigt, gleich in der Einsicht, daß hier
„gearbeitet“ worden ist, die „Tatsache“ zu erblicken, bei dem seine
Interpretation einzusetzen hat. Er sieht da einfach eine steinerne Ur
kunde vor sich, die er als Bürgschaft menschlichen Tuns ebenso ge*