Abschnitt III.
361
lassen hinnimmt, wie im anderen Falle ein Schriftstück, obwohl dieses
schon gar eine ganz wunderbare Geschehensverflechtung darstellt.
Seien wir uns aber klar, daß streng genommen nur jene eigen
tümlichen Formen des Gesteines die Tatsachen sind,
bei denen die Interpretation einsetzt. Auch liegt es nahe,
daß gerade jener erste Teil der Interpretation für uns vom größten
Interesse ist. Er stellt die Basis der ganzen Interpretation dar, mit
ihm entscheidet es sich, daß historische Erkenntnis
am Werke ist; und so muß sich an ihm auch die Natur des
Geschehens offenbaren, dem sich die historische Erkenntnis zuwendet.
Sehen wir uns also diesen ersten Teil der Interpretation etwas
näher an.
Die Wahrnehmung, daß gewisse Formen des Gesteines so seltsam
regelmäßig sind, macht uns wohl stutzig und fordert sogleich zu einer
Interpretation heraus, die von der naturwissenschaftlichen abweicht.
Ihr besonderes Gepräge erhält diese Interpretation aber durch etwas,
das sich am besten gleich an unserem Beispiele demonstrieren läßt.
Wir nehmen da unter anderem ebene Flächen wahr; weil aber das Gestein
sonst überall eine rauhe, wellige Oberfläche zeigt, schließen wir, daß
hier ein Ebnen vorgegangen ist. In ähnlicher Weise schließen wir aus
den bezüglichen Formen des Gesteines, daß auch ein Einritzen erfolgt
ist, auch ein Eintreiben von Löchern, und so auch ein Abspalten von
Stufen. Diese Ausdrücke beziehen sich zwar sämtlich schon auf ein
Tun der Menschenhand. Im Augenblicke sollen sie aber nur schlechthin
ein Geschehen bezeichnen, und zwar ein Geschehen, das wir aus
drücklich nur als eine Formveränderung erfassen. Zunächst ist
also ein mehrfaches Geschehen da. Es besteht kein Zweifel, daß man
ein jedes dieser Geschehen für sich als ein System kausaler Ver
kettungen auflösen könnte. Von dieser Aufgabe kehrt sich jedoch
unser Interesse deshalb ab, weil wir zu gleicher Zeit erkennen,
daß jenes Mehrerlei von Geschehen in einer ganz
besonderen Weise zu einem einzigen Geschehen ver
flochten ist.
Wie dies zu verstehen sei, will ich dann sofort zeigen und schicke
nur eine Verwahrung voraus. Wenn unsere Erkenntnis jener Ver
flechtung im Geschehen Rechnung trägt und so den seltsamen Formen
im Gestein ein fortlaufendes Geschehen unterlegt, aus dem sie gleichsam
erstehen, so läuft dies bloß im tatsächlichen Erfolg auf
eine „Erklärung“ der fraglichen Formen hinaus. Es ist
eben für die ganze Situation bezeichnend, daß die Möglichkeit jener
Verflechtung nur aufzutauchen braucht, und sofort hört das Ver