Full text: Wirtschaft als Leben

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,Die Grenzen der Geschichte“, 
Sachen ein Geschehen jener besonderen Art, ein Handeln er 
schließen darf, oder sich begnügen muß, diese Vorgänge als kausale 
Verkettungen aufzulösen, als bloße Abfolgen von Erscheinungen. 
Denken wir uns z. B. eine Basaltformation, die durch ihre besonders 
regelmäßigen Formen auffällt; da könnten wir vorübergehend im 
Zweifel sein, ob hier die Menschenhand oder die Natur gewaltet hat. 
Entscheiden wir uns für das letztere, dann hat nicht etwa jene Art 
„Erklärung“ versagt; wir erkennen es einfach als irrig, aus diesen 
Formen ein Handeln erschließen zu wollen. 
Freilich kann man wieder sagen, daß jene Vorgänge des Ebnens 
usw. dem tatsächlichen Erfolg nach doch eine „Erklärung“ gefunden 
hätten, sobald man sie kraft ihrer Verflechtung als jene besondere Art 
Geschehen erfaßt. Erklärt sind diese Vorgänge dann allerdings, 
nämlich im Sinne ihrer näheren Bestimmung, als Gliederteile eines 
Handelns. Deshalb bleibt es trotzdem irreführend, den Vorgang 
des Erkennens selber, dem diese nähere Bestimmung rein tat 
sächlich entspringt, eine „Erklärung“ zu nennen; denn die Erkenntnis 
ist hier im grundwesentlichen Sinne eins mit dem Erschließen 
einer besonderen Art Geschehen. 
Es tritt dann wohl noch eine wirkliche Erklärung hinzu; 
diese aber bezieht sich bereits auf diese besondere Art Geschehen. 
Das Handeln wird dann ausdrücklich schon als solches erklärt, und 
zwar aus den Bedingungen, unter denen es vollzogen 
erscheint. Dazu gehören einerseits die Bedingungen, die sich auf 
den Geist der Verflechtung beziehen, auf die Art und Weise also, in 
der die Handlung in sich und über sich hinaus noch mit anderen 
Handlungen verflochten ist; hier erklären wir uns das Handeln aus 
seinem Zweckgehalt, indem wir, neben dem „Zweck“ der Hand 
lung, noch ihre „Unterzwecke“, ihre „Fernzwecke“ und „Nebenzwecke“ 
erkennen. Auf der anderen Seite handelt es sich um jene Bedingungen, 
die auf den Hergang der Handlung von Einfluß waren; hier 
erfolgt die Erklärung aus der ganzen Sachlage, der gegenüber sich 
die Handlung abspielt. Wir ermessen z. B. die Hindernisse, die von 
der Handlung zu überwinden waren, die Vorteile, die sie ausnützen 
konnte, die Hilfsmittel, die ihr zu Gebote standen, die technischen 
Kenntnisse, von denen sie getragen erscheint. Im ganzen hat dieses 
Erklären den Sinn, daß wir gleichsam das Wollen, Können und Wissen 
erörtern, das sich an der erschlossenen Handlung dokumentiert. Wie 
es nahe liegt, überdeckt sich mit diesem Gebiete eigentlicher Erklärung 
jener zweite Teil der Interpretation, an dem der Historiker Interesse 
nimmt. Es ist eben notwendig, sich die Handlung aus den Be
	        
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