Abschnitt IV. 367
versteht, jedenfalls aber etwas, das in der Sache der Erkenntnis von
der „Kausalerklärung“ überboten wird.
Nun mag es ja gelegentlich zutreffen, daß der Übergang von der
„teleologischen“ zur „kausalen“ Erklärung einen Fortschritt in der
Erkenntnis bedeutet: das käme ja nur auf den Sinn an, den man jenen
Ausdrücken gibt, und auf die Anlässe, bei denen sie verwendet werden.
In der Biologie, z. B., könnte sich diesen Ausdrücken eine sehr
ernste Diskussion verknüpfen. Wie irrig aber gerade hier jener Rück
schluß von einer angeblich minderwertigen Erklärung auf eine angeb
lich minderwertige Erkenntnis ist, das zeigt sich am besten darin, daß
man hier den Spieß sogar umdrehen kann. Soweit es überhaupt an
geht, Erkenntnisarten aneinander zu messen, von denen jede ihr gutes
Recht hat, eine so unentbehrlich wie die andere ist, kann man be
haupten, daß unsere Erkenntnis mit der Historie ent
schieden besser fährt als mit der Metahistorie. Natür
lich kommen da nicht die tatsächlichen Leistungen auf beiden Gebieten
in Betracht, sondern rein prinzipielle Verhältnisse.
Es gilt erstens, daß die Historie jenes Geschehens, dessen Er
fassung ihr spezifisch ist, mit festerem Griff habhaft wird, als es der
Metahistorie mit ihrem Geschehen gelingt. Das läßt sich an einem
Vergleich der Interpretation hüben und drüben erläutern.
Der Schluß von dem, was vorliegt, auf das, was vorgegangen ist, die
Erfassung des Geschehens also, nimmt in beiden Fällen den gleichen
Ausgang. Historiker wie Metahistoriker machen sich das Vorliegende
zunächst als einen schlichten Wandel von etwas klar, das früher Vor
gelegen hat. Soweithin ist das Geschehen weder als eine Abfolge von
Erscheinungen, noch als eine Tätigkeit, weder „kausal“ noch „final“
erfaßt, sondern rein abstrakt, als eine Formveränderung. Schon
dieser erste Schritt der Erfassung kann ein zweifelhafter sein. So
könnte z. B. das Felsenmeer ebensogut eine Umlagerung der Stein
klötze sein, wie die Umwandlung einer festen Steinschicht. Der Geologe
bleibt diesem zweiten Ansatz der Interpretation treu, weil es ihm ge-
lingt, gerade dieses letztere Geschehen konkret auszugestalten, indem
es als den Verwitterungsprozeß der festen Schicht kausal auflöst.
Aber nehmen wir selbst den günstigen ball an, daß sich an den
Steinklötzen eine gleichsam durchlaufende Schicht verrät, die es fast
zur Gewißheit macht, daß keine Umlagerung von Felsblöcken, nur
eine Umwandlung kompakten Gesteines vorliegt. Dann hätte dies
eben nur die Bedeutung, daß der Geologe über den Ausgang seiner
Interpretation nicht mehr im Zweifel zu sein brauchte. An dem