Full text : Wirtschaft als Leben

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,Zur  sozialwissenschaftlichen  Begriffsbildung“,

anbequemt  sind  —  den  letzteren  ist  unser  theoretisches  Interesse
am  Besonderen  untrennbar  verflochtenl  Denn  als  Handelnde,
um  mit  Rickert  zu  sprechen,  leben  wir  im  Einzelnen  und  sind
wirklich  nur  als  Einzelne.  '  Es  kann  unmöglich  überraschen,  daß
unserem  Interesse  am  Besonderen  vor  allem  unsere  besonderen  Interessen ­
  unterliegen.
So  bestätigt  es  sich  am  lebendigen  Leibe  des  Begriffes,  daß  bei
seiner  Formung  nicht  bloß  die  Kategorien  beteiligt  sind,  sondern  auch
das,  was  zugleich  unserem  Interesse  am  Besonderen  unterliegt.  Von
daher  eröffnet  sich  nun  der  Einblick  in  die  inhaltliche  Voraussetzung
aller  idiographischen  Erkenntnis:  Idiographisches  Denken  wäre  stets
nur  unter  Bezugnahme  auf  etwas  möglich,  das  außerhalb  der
unmittelbaren  Objekte  dieses  Denkens,  genauer  gesagt,  seines  kategorial
formbaren  Stoffes  liegt.  Für  dieses  Etwas  hätten  wir  vorläufig  das
„Beziehen  auf  unsere  besonderen  Interessen“  eingesetzt.
Wenden  wir  diese  erkenntnistheoretische  Ansicht  zusammenfassend
auf  unseren  Berg  an,  so  wäre  er  das  „Stück  Wirklichkeit“,  wofür  er
uns  nun  einmal  gilt,  nicht  schon  in  der  Anwendung  der  raumhaften
Kategorien  auf  ihren  Stoff.  Nur  scheinbar  wäre  er  schon  daraufhin
erfaßlich,  nämlich  kraft  seiner  Kegelform.  In  Wahrheit  müßte  er  sich
soweithin  hilflos  im  Chaos  aller  überhaupt  möglichen  Formungen  des
Raumhaften  verlieren.  Wenn  er  uns  hingegen  gleichsam  auf  den
ersten  Blick  als  wirklich  erscheint,  und  so  wuchtig,  um  über  kurz  und
lang  unser  Interesse  an  seiner  Besonderheit  zu  erwecken,  so  verrät
sich  darin  die  formende  Gewalt  jener  Bezugnahme  auf
unsere  Interessen.  Erst  daraufhin  ist  uns  diese  Bodengestaltung
als  das  Spezifische  eines  „Berges“  unmittelbar  erfaßlich;  während
wir  ungezählte  Formungen,  die  kategorial  nicht  minder  möglich  wären,
von  uns  weisen.  In  dieser  kategorial  geregelten  Weise  vollzieht ­
  sich  hier,  dem  tatsächlichen  Erfolg  nach,  eine  Auswahl.  Wir
greifen  dann,  nach  dem  Leitfaden  steter  Beziehung  auf  unsere  Interessen, ­
  aus  der  unendlichen  Mannigfaltigkeit  des  Wirklichen  ein
Weniges  heraus  und  glauben  doch  die  ganze  Wirklichkeit  in  Händen
zu  halten,  während  uns  ein  unendlicher  Rest  zwischen  den  Fingern
durchgeglitten  ist  —  das  „Uninteressante“.
Unser  Berg  ist  sohin  nur  scheinbar  eine  „naturgegebene“  Einheit;
in  Wahrheit  ist  er  uns  Einheit  kraft  der  Beziehung  auf  unsere  Interessen. ­
  Er  ist  kein  bloßes  „Anwendungsobjekt“  idiographischer  Erkenntnis, ­
  sondern  Fleisch  von  ihrem  Fleische.  Denken  wir  hingegen
an  die  „Berge“  im  Monde,  an  die  „Ringgebirge“  dort,  so  liegt  die
Sache  sofort  ganz  anders.  Im  Grunde  sind  dies  buchstäblich  nur
            
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