Full text : Wirtschaft als Leben

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„Zur  sozialwissenschaftlichen  Begriffsbildung“,

Voraussetzung  aller  Idiographie  auf  die  Spur  kommen!  So  paradox
es  zunächst  klingt,  wenn  wir  das  Walten  jener  inhaltlichen  Voraussetzung ­
  gleichsam  über  den  Allgemeinbegriff  hinaus  verlegen,,
es  trifft  für  unser  Beispiel  doch  zu  und  stimmt  hier  überhaupt  ins  Bild.
Denn  vom  Stammbegriff  herwärts  sind  uns  die  ganzen  Verhältnisse
schon  aus  der  logischen  Analyse  klar  geworden.  Insbesondere  wissen
wir,  welche  vielfältige  Bedeutung  ein  Gebilde  nach  dem  Schema  „Berg“
vor  unserem  Denken  gewinnen  kann  und  in  welcher  Weise  es  überhaupt ­
  eine  Bedeutung  gewinnt,  statt  ein  bloßes  Exemplar  des  Begriffes ­
  „Berg“  zu  bleiben,  das  sich  im  Dunkel  verliert.  Übrigens  muß
es  völlig  in  der  Schwebe  bleiben,  von  welchem  Umkreis  von  Allgemeinbegriffen ­
  es  gelten  soll,  daß  für  ihre  Formung  die  Kategorien
nicht  ausreichen.  Uns  hier  genügt  es,  wenn  dies  für  den  Begriff  „Berg“
rein  empirisch  zutrifft  Damit  bahnen  wir  uns  einfach  einen  gangbaren, ­
  plausiblen  Weg  ins  Herz  jener  inhaltlichen  Voraussetzung.
Zu  der  Vermutung,  daß  neben  den  Kategorien  noch  etwas
anderes  an  der  Formung  dieses  Begriffes  mitwirke,  gelangen  wir
auch  von  einer  zweiten  Seite.  Ein  Berg,  sagten  wir,  sei  eine  Bodenerhebung ­
  von  beträchtlicher  Höhe.  Diese  Definition  hat  theoretischen
Charakter;  sie  ist  aus  dem  „orographischen“  Gesichtspunkt  gebildet,
und  somit  einseitig.  Wir  können  es  ihr  überdies  nachrechnen,  daß
sie  eine  bedeutsame  Frage  offen  läßt.  Sie  setzt  den  Berg  schlechthin
einer  qualifizierten  Gestaltung  des  Bodens  gleich;  qualifiziert  als
Erhebung,  und  im  Sinne  der  Beträchtlichkeit  dieser  Erhebung.  Was
verschafft  aber  einer  quantitativen  Eigenheit  die  Qualität  eines
selbständigen  Begriffes?  Wäre  es  eine  Sache  des  bloßen  Übereinkommens, ­
  Erhebungen,  die  eine  gewisse  Höhe  erreichen,  für  sich
gesondert  als  „Berge“  zu  bezeichnen?  Darüber  läßt  uns  die  Definition
ganz  im  unklaren.  Nun  ist  uns  bekanntlich  eine  Steigerung  geläufig,
die  erst  über  „Anhöhe“  und  „Hügel“  hinweg  zum  „Berge“  führt.
Hierzwischen  scharfe  Grenzen  zu  ziehen,  das  mag  einem  Übereinkommen ­
  der  „Orographie“  zustehen.  An  jenem  Verhältnis  ändert
sich  trotzdem  nichts.  Anhöhen  und  Hügel  sind  auch  nur  gleichsam
abgeschwächte  Berge.  So  beharrt  die  Frage,  was  uns  gegenüber  der
unendlichen  Fülle  der  Abstufungen  zwischen  bloßen  „Unebenheiten“
auf  der  einen  Seite  und  jenen  begrifflichen  Sonderungen  auf  der
anderen  Seite  zu  scheiden  veranlaßt.  Dazu  reichen  die  Kategorien
offenkundig  nicht  hin.  Es  kann  sogar,  rein  kategorial  genommen,  eine
bloße  „Unebenheit“  eine  viel  klarere  Einheit  darstellen,  im  Sinne  eines
Kegels,  einer  Halbkugel,  einer  Pyramide  usf.,  sie  kann  also  viel
leichter  erfaßlich  als  jene  Gebilde  sein,  die  trotzdem  zu  einem
            
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