Full text: Wirtschaft als Leben

502 
„Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“, 
Voraussetzung aller Idiographie auf die Spur kommen! So paradox 
es zunächst klingt, wenn wir das Walten jener inhaltlichen Voraus 
setzung gleichsam über den Allgemeinbegriff hinaus verlegen,, 
es trifft für unser Beispiel doch zu und stimmt hier überhaupt ins Bild. 
Denn vom Stammbegriff herwärts sind uns die ganzen Verhältnisse 
schon aus der logischen Analyse klar geworden. Insbesondere wissen 
wir, welche vielfältige Bedeutung ein Gebilde nach dem Schema „Berg“ 
vor unserem Denken gewinnen kann und in welcher Weise es über 
haupt eine Bedeutung gewinnt, statt ein bloßes Exemplar des Be 
griffes „Berg“ zu bleiben, das sich im Dunkel verliert. Übrigens muß 
es völlig in der Schwebe bleiben, von welchem Umkreis von All 
gemeinbegriffen es gelten soll, daß für ihre Formung die Kategorien 
nicht ausreichen. Uns hier genügt es, wenn dies für den Begriff „Berg“ 
rein empirisch zutrifft Damit bahnen wir uns einfach einen gang 
baren, plausiblen Weg ins Herz jener inhaltlichen Voraussetzung. 
Zu der Vermutung, daß neben den Kategorien noch etwas 
anderes an der Formung dieses Begriffes mitwirke, gelangen wir 
auch von einer zweiten Seite. Ein Berg, sagten wir, sei eine Boden 
erhebung von beträchtlicher Höhe. Diese Definition hat theoretischen 
Charakter; sie ist aus dem „orographischen“ Gesichtspunkt gebildet, 
und somit einseitig. Wir können es ihr überdies nachrechnen, daß 
sie eine bedeutsame Frage offen läßt. Sie setzt den Berg schlechthin 
einer qualifizierten Gestaltung des Bodens gleich; qualifiziert als 
Erhebung, und im Sinne der Beträchtlichkeit dieser Erhebung. Was 
verschafft aber einer quantitativen Eigenheit die Qualität eines 
selbständigen Begriffes? Wäre es eine Sache des bloßen Über 
einkommens, Erhebungen, die eine gewisse Höhe erreichen, für sich 
gesondert als „Berge“ zu bezeichnen? Darüber läßt uns die Definition 
ganz im unklaren. Nun ist uns bekanntlich eine Steigerung geläufig, 
die erst über „Anhöhe“ und „Hügel“ hinweg zum „Berge“ führt. 
Hierzwischen scharfe Grenzen zu ziehen, das mag einem Überein 
kommen der „Orographie“ zustehen. An jenem Verhältnis ändert 
sich trotzdem nichts. Anhöhen und Hügel sind auch nur gleichsam 
abgeschwächte Berge. So beharrt die Frage, was uns gegenüber der 
unendlichen Fülle der Abstufungen zwischen bloßen „Unebenheiten“ 
auf der einen Seite und jenen begrifflichen Sonderungen auf der 
anderen Seite zu scheiden veranlaßt. Dazu reichen die Kategorien 
offenkundig nicht hin. Es kann sogar, rein kategorial genommen, eine 
bloße „Unebenheit“ eine viel klarere Einheit darstellen, im Sinne eines 
Kegels, einer Halbkugel, einer Pyramide usf., sie kann also viel 
leichter erfaßlich als jene Gebilde sein, die trotzdem zu einem
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.