Full text: Wirtschaft als Leben

Der Stoff der Sozialwissenschaft, I, B. 
537 
Erlebte kehren. Hier muß nun die erkenntnistheoretische 
Erwägung einsetzen. Ihr Beruf liegt darin, daß sie die bisher er 
mittelten Verhältnisse unseres Denkens in Einklang zu bringen sucht 
mit den Annahmen über die Natur des Gegebenen, also 
mit den ontologischen Voraussetzungen. 
B. Die erkenntnistheoretische Deutung. 
Als Bewußtseinsinhalt, ohne doch Gedachtes zu sein, ist das Er 
lebte zunächst das Anschauliche. Freilich ist auch unser begriff 
liches Denken im Erleben beschlossen; aber dann wieder nur als jenes 
Anschauliche, das wir als „unser begriffliches Denken“ erst zu einem 
Begriffe formen. Ebenso zweifellos, wie das Erlebte anschaulich ist, 
müssen wir ihm Mannigfaltigkeit zusprechen; und zwar unend 
liche Mannigfaltigkeit in dem Sinne, daß keine noch so große Zahl 
von Erfahrungsurteilen ausreicht, um den Inhalt des Erlebten auszu 
schöpfen. Bis hierher gehen die so ziemlich unbestrittenen Annahmen 
über die Natur des Gegebenen. 
Es hat nun auch bloß den Sinn einer Annahme über die Natur 
des Gegebenen, wenn man den Gegensatz „sinnlich seelisch“ 
schon in das Erlebte selber einsenkt; dieses läge dann, schon in seiner 
Anschaulichkeit, teils als seelische, teils als sinnliche Mannigfaltigkeit 
vor. Es wäre dies der herrschenden Anschauung gemäß, wonach sich 
jenem Gegensätze nichts entziehen könne, was nur überhaupt erfahrbar 
ist; dies alles müßte entweder seelisch oder sinnlich sein. Nun 
wäre es allerdings Wahnwitz, dieser Scheidung ihre fundamentale Be 
deutung abzusprechen; die Einschränkung, unter welcher dieser Gegen 
satz immer noch als ein ganz kategorischer gilt, wird sich uns 
auch bald ergeben. In die reine, ungeschmälerte Anschaulichkeit des 
Erlebens aber darf diese Scheidung nicht hineinreichen. Sonst unter 
schieben wir eine Voraussetzung, die mit den faktischen Verhältnissen 
unseres Denkens nicht in Einklang zu bringen ist. Denn alles, was 
über die pseudo-psychologischen Aussagen vom Typus A und das 
ihnen spezifische Denken bisher zu sagen war und nun erst zu be 
gründen sein wird, ist absolut nur mit der Annahme vereinbar, daß 
dem Erlebten selber, in seiner unberührten Anschaulichkeit, die Scheidung 
zwischen dem Seelischen und dem Sinnlichen fremd bleibt. Wir 
müssen das Erlebte als das in dieser Hinsicht noch Ungeschiedene 
ansehen. 
Vielleicht befremdet es, wenn einer so lapidaren Anschauung gegen 
über mit bloßen Gründen der Zweckmäßigkeit argumentiert wird. Aber 
es handelt sich tatsächlich nur um unsere Annahmen über die Natur
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.