Full text: Wirtschaft als Leben

Der Stoff der Sozialwissenschaft, II. 
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liehe Vorstellung sollen wir diesem Bilde unterlegen, um über das 
Zweierlei der möglichen Denkweise klar zu werden? Von einer 
gedanklichen „Aussonderung“, einmal des Zusammenhanges, dann 
wieder des Mannigfaltigen der Wirklichkeit, im Sinne „isolierender 
Abstraktion“, kann absolut nicht die Rede sein. Denn es ist ja 
dieser Gegensatz mitnichten gegenständlicher Natur; er hält sich 
streng im Bereiche einer formalen Charakteristik des Anschaulichen. 
So bleibt nur die Vorstellung übrig, daß es die Wirklichkeit 
selber ist, die uns in verschiedener Weise vorliegt, indem sie 
jedesmal wieder anders als das kategorial nun erst zu Formende, als 
das Objektivierbare sich darstellt. Unserem Denken wäre es 
also eigen, daß ihm gegenüber niemals die ungeschmälerte Wirklich 
keit das Objektivierbare sein kann. Für die erkenntnistheoretische 
Auffassung würde sich vielmehr zwischen die Wirklichkeit und 
unser Denken erst noch etwas einschieben: die in bestimmter 
Weise objektivierbar gewordene Wirklichkeit. Und als das 
in bestimmter Weise Objektivierbare stellt die Wirklichkeit einen 
bestimmten Stoff unseres Denkens vor. So bleibt dann die 
Wirklichkeit selber, als das unberührt anschauliche Erlebnis, wohl 
immerzu das Eine; aber in der Relation auf unser begriff 
liches Denken — als das Objektivierbare, das nun erst der Ob- 
jektivation unterliegt — wird sie zu einer Mehrheit von Stoffen. 
Man könnte ein Problem darin ersehen, durch welchen Vorgang 
die ungeschmälerte Wirklichkeit in bestimmter Weise zu etwas Ob 
jektivierbarem, also zu einem bestimmten Stoffe wird. So hält es 
Münsterberg, der sich diesem Probleme eingehend zuwendet; die 
Lösung sucht er ungefähr mit der Alternative: Ablösung oder Nicht 
ablösung des „Objekts“ vom „Subjekte“ zu geben. Aber gerade an 
dieser Stelle versagt seine Darlegung gegenüber der Frage, wie auch 
Wissenschaften von der Art der Geschichte objektivierend denken. 
Ls ist nun keine bloße Ausflucht, sondern eine Auffassung, berechtigt 
wie jede andere und dabei wohl zweckdienlicher, wenn man hier 
überhaupt kein Problem anerkennt! Damit spricht man 
es einfach der ureigenen Art unseres Denkens zu, daß ihm 
die Wirklichkeit niemals schlechthin, sondern stets nur in bestimmter 
W eise als das Objektivierbare entspricht. Man schneidet damit Er 
wägungen ab, die sich auf die Natur unseres Denkens beziehen, aber 
ln ihrer Durchführung an das Verständnis eben jener Gegensätze 
gebunden sind, die hier erst abzuleiten wären. Das Prinzipielle 
im Gegensatz jener beiden Denkweisen ist dann freilich nicht sachlich 
erläutert, sondern nur mittelbar daran vorgewiesen, daß sich das
	        
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