Full text: Wirtschaft als Leben

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,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“, 
weder aus Erscheinungen, noch außerdem aus anderen Elementen auf; 
es hat überhaupt erst dann Sinn, von Erscheinungen und ihresgleichen 
zu reden, sobald wir das Erlebte in Relation zu unserem begriff 
lichen Denken gesetzt sehen. 
Daher kann von Erscheinungen auch dann nicht die Rede sein, 
wenn wir die „Selbstvergessenheit“, mit der wir uns für gewöhnlich 
dem Erlebnis hingeben, zwar aufheben, wenn sich dabei aber unser 
Bewußtsein doch nicht mit der Absicht begrifflichen Denkens 
gegen das Erlebte kehrt. Diese dritte, „anschauende“ Stellung 
nahme zur Wirklichkeit, die offenbar mit der künstlerischen Be 
obachtung in eins fällt, fühlt sich übrigens ungleich mehr der noetischen 
als der phänomenologischen Denkweise verwandt 1 Wo daher für den 
künstlerischen Ausdruck vorübergehend das begriffliche Denken ein 
Mittel zum Zweck wird, wie in der Poesie — die sich im Geiste 
Lessings der Sprache immer nur so bedient, daß wir über dem 
lebendigen Eindruck des Gesagten der verwendeten Worte vergessen 
— da sind dann ausschließlich die noetischen Denkformen, niemals 
die phänomenologischen beteiligt. Jene Verwandtschaft basiert vor 
allem darauf, daß sich das noetische Denken so gut mit der 
Anschauung abzufinden weiß, nie aufhört, diese für sich selber 
arbeiten zu lassen. So ist es wieder recht begreiflich, wenn man be 
sonders den Historiker, der noch dazu mit Dichtkunst, Plastik und 
Malerei seine Vorwürfe teilt, immer wieder als „Künstler“ aus der 
Wissenschaft hinausloben will. Ins Erdichten kann er vielleicht leichter 
fallen; Künstler jedoch ist der Historiker, da er eine vollwertige 
Spielart begrifflichen Denkens verwaltet, gar nicht anders als 
etwa der Mathematiker, der nach der „eleganten“ Lösung einer 
Gleichung strebt: immer nur im Geiste jener Anmut, die aus der 
vollendeten Kraft emporblüht, und natürlich auch nach Maßgabe der 
ästhetischen Qualitäten der Darstellung. 
Auch die psychologischen Aussagen haben Erscheinungen 
zu ihren anschaulichen Elementen. Denn auch bei ihnen tauschen 
wir „irreduktible“ Elemente für die unberührte Anschaulichkeit des 
Erlebnisses ein, sobald wir uns in der Absicht begrifflichen Denkens 
gegen das Erlebte kehren. Allein, gleichwohl es da und dort auf 
Erscheinungen hinausläuft, dürfen wir den physiologischen und den 
psychologischen Aussagen trotzdem nicht den nämlichen Stoff 
unterlegen! Ein Vergleich der Aussagen B und C lenkt unseren Blick 
auf einen Unterschied innerhalb der Erscheinungen, der g aflZ 
kategorischer Natur ist. Über diesen Gegensatz vermag sich
	        
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