Full text: Wirtschaft als Leben

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,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung 11 , 
sofort wieder die ganze Wirklichkeit als „Welt der Erlebungen“ vor. 
Man sieht übrigens, wie tief begründet in der noetischen Denkweise 
jene „anthropozentrische“ Auffassungsweise ist, die man unseren Wissen 
schaften zum Vorwurf machen will 1 
Auf ihre zeithafte Natur hin können auch die Erlebungen nur in 
einer stetigen Folge der Stoff des noetischen Denkens sein. Da sich 
aber jede einzelne Erlebung schon auf den anschaulichen Zu 
sammenhang des Erlebten bezieht, kann für ihre Zeitreihe von 
einem „Nacheinander“ schlecht und recht, gleich der Abfolge der Er 
scheinungen, nicht die Rede sein. Zur Illustration sei aus der ver 
wickelten Formung „lesen“ der erste Teil herausgegriffen: „durch den 
Blick Kenntnis erhalten“. Da unterliegt die tätige Erlebung des 
„blicken“, dann auch jene leidende, die zum „Kenntniserhalten“ ver 
allgemeinert ist, deren anschauliche Einfachheit etwa als „ansichtig 
werden“ zum Ausdruck käme. Dieses Beispiel lehrt nun gut, wie hier 
an Stelle der Abfolge die Ausfolge tritt, wie also nicht ein Nach 
einander der Erlebungen, sondern ihr Auseinander gilt. Das „blicken“ 
hat wohl den zeitlichen Vortritt, aber gerade nur so weit, daß ihm 
dann, um seiner eigenen Natur willen, das „ansichtig werden“ 
zeitlich zur Seite bleibt. Man darf aber die anschauliche Ver 
flechtung dieser Erlebungen beileibe nicht als eine ursächliche 
Verkettung mißverstehen. Sonst verwechselt man mit einer Tat 
unseres Denkens, genauer gesagt, mit dem Erfolge verwickelter 
Denkakte verwechselt man etwas, das in der Anschauung 
eingegründet ist, absolut voran allem Denken. Es steht 
aber eigentlich noch schlimmer, da nämlich hier das Primäre aus dem 
Sekundären hergeleitet würde! Denn gewiß in dieser Richtung gilt 
das tiefsinnige Wort Diltheys, daß „Ursache und Wirkung bloß Ab 
straktionen aus dem Leben unseres Willens“ seien. Dieses „Leben 
unseres Willens“ braucht nicht weiter metaphysisch verklügelt zu 
werden; es dokumentiert sich empirisch an der Verflochtenheit der 
tätigen mit der leidenden Erlebung, an der Ausfolge des „ansichtig 
werden“ aus dem „blicken“. Gewiß nur nach dem anschaulichen 
Vorbilde dieser Ausfolge lernt es unser Denken, auch die kon 
kreten Erscheinungskomplexe im Sinne von „Ursache und Wirkung“ 
verkettet zu sehen, gleichwohl deren Verknüpfung immer nur das 
Arthafte daran angeht, weil sie nicht anders bewerkstelligt wird, als 
über das Mittelglied des „Naturgesetzes“. Mag sich dann auch dieses 
Taterfolges unseres verallgemeinernden Denkens die Metaphysik 
bemächtigen, mag sie, nach dem anschaulichen Vorbilde jener Ver 
flochtenheit, zwischen dem generell verketteten Konkreten selber ein
	        
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