Full text: Wirtschaft als Leben

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,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung' 1 , 
überhaupt nicht als gleich aufeinander beziehen lassen, angesichts der 
„unendlichen Mannigfaltigkeit alles Wirklichen“. Sucht man die 
Gleichheit derart im Objekte, dann fällt jener Gegensatz überhaupt 
aus, und was übrig bliebe, wäre dann bloß der ewige Wechsel des 
Geschehens, in einer unendlichen Stufenfolge seiner Intensität. Gewiß 
aber darf man von einer „Gleichheit“ nur so sprechen, daß sich ver 
schiedene Geschehnisse den gleichen Begriffen unterordnen lassen, 
ungeachtet aller Verhältnisse im Objekte. Diese begriffliche 
Gleichheit muß man im Auge behalten, nicht jene in sich unmögliche 
„objektive“ Gleichheit. Dann erst kann man zwischen gleich und 
ungleich unterscheiden, dann erst kommt es zu dem Gegensätze 
zwischen Wechsel-und Wiederkehr, und dann aber ist dieser Gegen 
satz sofort auch ein absoluter. 
Wenn uns der oberflächliche Blick dazu verführt, diesen Gegen 
satz einen „relativen“ zu nennen, so liegt hier etwas anderes zu 
grunde. Bezieht man verschiedene Geschehnisse als gleich oder un 
gleich aufeinander, dann geschieht dies ja nicht im Wege eines an 
schaulichen Vergleiches, nicht so etwa, wie man bunte Papierschnitzel 
sortiert; vielmehr tritt notwendig die begriffliche Erfassung der Ge 
schehnisse voran, wir beziehen die letzteren also immer schon ge 
mäß der Begriffe, mit deren Hilfe wir sie erfaßt haben, als gleich 
oder ungleich aufeinander. Daher hängt es bloß an der Variation 
der erfassenden Begriffe, und in der nämlichen Richtung, in 
der bisher eine Wiederkehr festzustellen war, kann nun ein Wechsel 
festgestellt werden, und so auch umgekehrt 1 Es steht z. B. im Be 
lieben unserer Auffassung, die Unterzeichnung des Frankfurter 
Friedensvertrages als „Tintenverbrauch“ oder „Amtshandlung“ zu er 
fassen, das Geschehnis also zu ungezählten anderen in das Verhältnis 
absoluter Gleichheit zu setzen und es demgemäß der Wiederkehr 
einzuordnen; obwohl es sich, der anderen möglichen Auffassung nach, 
um ein Geschehnis handelt, das ausdrücklich den Wechsel im Ge 
schehen markiert. Wiederkehr und Wechsel im Geschehen treten 
also dergestalt in Gegensatz zueinander, daß durch eine bloße Varia 
tion der erfassenden Begriffe der Gegensatz zur Identität umkippen 
kann, in dem Sinne, daß der bisherige Wechsel nun auch als Wieder 
kehr, oder die bisherige Wiederkehr nun auch als Wechsel erfaßbar 
wird. In solchem Geiste ist dieser Gegensatz, der ein relativer sein 
soll, in Wahrheit ein labiler. 
Diese Labilität des Gegensatzes liegt recht klar zutage; aber dem 
naiven Blick entgeht sie dennoch. Vor dem naiven Blick, der sich 
auf zusammenhängendes Geschehen richtet, scheidet sich vom Wechsel
	        
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