Nationalökonomische Erläuterung, IV. gj j
nachfühlen. Aber ein Lehrbuch gleichsam ohne Theorie, übertreibend
gesagt, das kann die Mission für sich allein nicht erfüllen, die ihm bei
seinen sonstigen Qualitäten zufiele. Es bricht wohl der geläuterten
Auffassung kraftvoll Bahn, unterhöhlt die Grundlagen der herkömm
lichen Theorie. Dennoch bleibt diese daneben aufrecht, im falschen
Schein, schlechthin die nationalökonomische Theorie vorzustellen, trotz
dem schon ihre Zeit so offenkundig abgelaufen ist. Was aber fallen
will, das soll man stoßen. Den Stoß selber muß Erkenntniskritik
führen. Diese wird sich freilich nur dann endlich durchsetzen, sobald
ausführende Theorie hinter ihr steht, getragen von der geläuterten
Auffassung. Hier schreibe ich gleichsam nur das Vorwort dazu.
IV.
Nennt man die Auffassung, durch die sich die nationalökonomische
Theorie läutern soll, die allwirtschaftliche, die geläuterte Theorie dann
Allwirtschaftslehre, so hebt dies nicht den eigentlichen Wandel hervor,
der sich hier vollziehen soll, mehr nur einen einzelnen Erfolg davon.
Was sich im letzten Grunde dabei wandelt, wird erst in der Folge ab
sehbar: es soll die „Wortgebundenheit“ der herkömmlichen Theorie
überwunden werden, zugleich das „Güterselige“, das „Unsoziologische“
ihrer Haltung. Jener einzelne Erfolg aber beruht darin, daß die ge
läuterte Theorie im Verbände ihrer Wissenschaft spezifisch mehr zu
leisten vermag als die herkömmliche. Kurz gesagt, besitzen wir vor
läufig nur eine Theorie der Wirtschaft von heute; eine Theorie aber,
die gerade infolge dieser Einschränkung selbst ihrem engen Vorwurf
nicht gerecht wird. Was also nottut, ist eine Theorie, die ausdrücklich
auch der VTrtschaft von heute darum besser beikommt, weil sie ein
fach der Erfassung aller und jeder Wirtschaft gewachsen bleibt, wie
immer auch das Wirtschaftsleben seinen Formen nach geartet war
und wäre. Eine Theorie, solcher Leistung fähig, darf sich wohl All
wirtschaftslehre nennen.
Dem Namen „Allwirtschaftslehre“ wird hoffentlich die Mißdeutung
erspart bleiben, als ob da ein „Inbegriff“ gemeint wäre, der sowohl
„Volkswirtschaftslehre“ wie auch „Weltwirtschaftslehre und „Privat
wirtschaftslehre“ umspannt. Es ist bedenklich genug, drechselt man
wie hier aus einem imposanten Ganzen und zweien seiner zahlreichen
Teile eine ebenmäßige Reihe, um sich daraufhin zu gewöhnen, daß
man eine Wissenschaft von diesem Range in einem Atem nennt mit
der Zusammenfassung einiger ihrer empirischen Spezialgebiete auf der
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