Full text : Wirtschaft als Leben

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Freiheit  vom  Worte“,

einen  und  mit  einem  ihrer  technischen  Annexe  auf  der  anderen  Seite;
handelt  es  sich  bei  der  „Privatwirtschaftslehre“  im  Kerne  doch  um  die
Kunstlehre  vom  unternehmungsweisen  Erwerb,  also  um  Unternehmungsführungslehre, ­
  die  man  natürlich  nicht  mit  ihrer  eigenen  Hilfstechnik,
Buchhaltungslehre  usw.,  verwechseln  darf.  Dieses  Nebeneinanderstellen
mag  vom  Standpunkte  des  Lehrbetriebes  noch  hingehen,  bei  dem  man
auch  mit  praktischen  Interessen  zu  rechnen  hat,  und  so  z.  B.  auch  mit
dem  sehr  erheblichen  Belang  von  engeren  Berufslehren  des  modernen
Geschäftslebens.  Theoretisch  aber  läßt  sich  eine  Reihe  überhaupt  nicht
ernst  nehmen,  die  schlankweg  nebeneinanderstellt,  was  in  der  verwickeltsten
  Weise  ineinander  hängt.  Der  Gipfel  wäre  nun  mit  jener
widersinnigen  Deutung  des  neuen  Namens  erstiegen:  Allwirtschaftslehre ­
  als  „Inbegriff  der  drei  Wissenschaften  von  der  Wirtschaft“.
Für  unsere  Wissenschaft  selber,  da  ziehe  ich  doch  den  Namen
„Nationalökonomie“  allen  anderen  vor,  weil  er  nachgerade  zu  einer
bloßen  Wortmarke  verflacht  ist,  ohne  daß  man  seinem  eigenen  Sinn
noch  viel  Gehör  schenkt.  Anders  schon  beim  Namen  „Volkswirtschaftslehre“. ­
  Wie  es  in  dieser  Verdeutschung  um  so  deutlicher  anklingt,
engt  dann  ihr  Name  den  Vorwurf  unserer  Wissenschaft  ausdrücklich
ein.  Weist  doch  das  Wirtschaftsleben  wohl  heute  bei  uns,  aber  nicht
zu  allen  Zeiten  und  überall  die  Sozialform  der  „Volkswirtschaft“  auf.
Mittelbar  stellt  daher  jener  einengende  Name  die  Nationalökonomie
als  eine  Art  „Gegenwartswissenschaft“  hin.  Ganz  so  faßt  es  auch  die
landläufige  Meinung  über  die  Nationalökonomie  auf.  Daher  erblickt
man  in  der  sogenannten  Wirtschaftsgeschichte  nur  eine  bloße  Ergänzung
der  Nationalökonomie,  zu  der  ihr  angeblich  die  Geschichtswissenschaft
verhilft.  Gerade  darüber  ist  nun  unsere  Wissenschaft  in  schöpferischer
Tat  längst  zur  Tagesordnung  übergegangen.  Was  da  als  Wirtschaftsgeschichte ­
  erwuchs,  ist  auch  nur  empirische  Nationalökonomie,  mit
ihren  Problemen  aber  auf  Vergangenes  eingestellt.  Zwar  wird  niemand
blind  für  das  vorwaltende  Interesse  sein,  das  wir  als  Lebende  dem
Leben  um  uns  entgegenbringen,  dem  wir  selber  verflochten  bleiben.
So  ruht  auch  für  die  wissenschaftliche  Arbeit  in  der  Nationalökonomie
der  Ton  stets  auf  dem  heutigen  Wirtschaftsleben;  und  die  Art,  wie
sie  dieses  geistig  zu  bewältigen  vermag,  wird  allemal  der  Gradmesser
ihres  Erfolges  sein.  Aber  diese  Tatsachen  des  praktischen  Interesses
erschüttern  nicht  im  mindesten  das  grundsätzliche  Verhältnis:  als  Erfahrungswissenschaft ­
  steht  die  Nationalökonomie  vor  dem  Tatbestand
des  Wirtschaftslebens  überhaupt,  einem  gewaltigen  Strom  erlebter
Wirklichkeit.  Eitel  Bewegung  bleibt  ja  auch  das  Gegenwärtige,  nicht
bloß  dem  Stoff  nach,  als  Geschehen;  auch  als  Gestaltung  dieses  Stoffes
            
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