Full text: Wirtschaft als Leben

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„Freiheit vom Worte“, 
die abgeleierte Werthypothese in den Dienst seiner Kritik 1 Der Lösung 
des einseitig aufgerollten Problems, wie sie ihm vorschwebt, verleiht er 
in unbewußter Resignation die Gestalt der „Mehrwert-Theorie“. Das 
ist helle „Güterlehre“. Nicht nur verschwimmt nun alles zur „Weltb 
und „Waren“-Kabbalistik, sofort spielen auch wieder, trotz aller Be 
tonung des „Gesellschaftlichen“, ausdrücklich die vereinzelten Hand 
lungen gegeneinander, Zug um Zug, Lohn und Leistung — „erwerbs 
wirtschaftlich“ ausgerichtetes Denken also von reinstem Wasserl Fast 
könnte man sagen „kapitalistisches“ Denken, nur eben hier mit ver 
kehrtem Vorzeichen. Die Kritik am Heutigen geht ja bekanntlich strikt 
verneinend aus; aber sie bewegt sich dabei in Denkformen, die das 
Verneinte insgeheim wieder bejahen. Denn wie stellt sich der ent 
scheidende Sachverhalt dem Kritiker darf Als Ausbeutung des Lohn 
arbeiters, in dem Sinne, daß ihm der „Mehrwert“ vorenthalten werde. 
Danach würde also in einem stets wieder Zug um Zug gedachten Ge 
schäfte der eine Partner übers Ohr gehauen. So läuft letzten Endes 
alles, die Lösung des schwungvollsten Problems unserer Wissenschaft 
und die schärfste Kritik heutiger Wirtschaft, theoretisch läuft dies alles 
nur zu einer Vorstellung in die Spitze aus, deren platt „erwerbswirt 
schaftliche“ Konzeption kaum zu überbieten ist: zur Vorstellung einer 
Abart von Bemogelung beim Tausche! 
VL 
Es ist jene Schwäche der herkömmlichen Theorie, was einsehbar 
zum innerlichen Bruch führt zwischen Theorie und Empirie. Versagt 
nämlich die Theorie hinsichtlich aller vergangenen oder sonst anders 
gearteten Wirtschaft, wie sie im Arbeitsfelde unserer Wissenschaft doch 
auch zum Tatsächlichen gehört, dann bleibt dem Empiriker nichts 
übrig; er muß im gegebenen Falle seine eigene Theorie improvisieren. 
Das geschieht auch regelmäßig; in vereinzelten Fällen allerdings so, 
daß der Empiriker daneben gutgläubig auch an der „orthodoxen“ 
Theorie festhält. Dies nötigt ihn wohl zu einem Eiertanz. Übrigens 
lehrt das Beispiel Werner Sombarts, dem die Empirie unserer 
Wissenschaft so Unschätzbares dankt, daß selbst dabei Grazie walten 
kann. 
Hier rechne ich nun mit dem Einwand: Wozu überhaupt dieser 
ganze „Historismus“ der Empirie, so weit zurück hinter unserer Zeit! 
Der Einwand ist von zwei ganz verschiedenen Seiten her zu erwarten 
und ist dann auch von ganz verschiedenem Tenor. Er droht von
	        
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