6i6
„Freiheit vom Worte“,
die abgeleierte Werthypothese in den Dienst seiner Kritik 1 Der Lösung
des einseitig aufgerollten Problems, wie sie ihm vorschwebt, verleiht er
in unbewußter Resignation die Gestalt der „Mehrwert-Theorie“. Das
ist helle „Güterlehre“. Nicht nur verschwimmt nun alles zur „Weltb
und „Waren“-Kabbalistik, sofort spielen auch wieder, trotz aller Be
tonung des „Gesellschaftlichen“, ausdrücklich die vereinzelten Hand
lungen gegeneinander, Zug um Zug, Lohn und Leistung — „erwerbs
wirtschaftlich“ ausgerichtetes Denken also von reinstem Wasserl Fast
könnte man sagen „kapitalistisches“ Denken, nur eben hier mit ver
kehrtem Vorzeichen. Die Kritik am Heutigen geht ja bekanntlich strikt
verneinend aus; aber sie bewegt sich dabei in Denkformen, die das
Verneinte insgeheim wieder bejahen. Denn wie stellt sich der ent
scheidende Sachverhalt dem Kritiker darf Als Ausbeutung des Lohn
arbeiters, in dem Sinne, daß ihm der „Mehrwert“ vorenthalten werde.
Danach würde also in einem stets wieder Zug um Zug gedachten Ge
schäfte der eine Partner übers Ohr gehauen. So läuft letzten Endes
alles, die Lösung des schwungvollsten Problems unserer Wissenschaft
und die schärfste Kritik heutiger Wirtschaft, theoretisch läuft dies alles
nur zu einer Vorstellung in die Spitze aus, deren platt „erwerbswirt
schaftliche“ Konzeption kaum zu überbieten ist: zur Vorstellung einer
Abart von Bemogelung beim Tausche!
VL
Es ist jene Schwäche der herkömmlichen Theorie, was einsehbar
zum innerlichen Bruch führt zwischen Theorie und Empirie. Versagt
nämlich die Theorie hinsichtlich aller vergangenen oder sonst anders
gearteten Wirtschaft, wie sie im Arbeitsfelde unserer Wissenschaft doch
auch zum Tatsächlichen gehört, dann bleibt dem Empiriker nichts
übrig; er muß im gegebenen Falle seine eigene Theorie improvisieren.
Das geschieht auch regelmäßig; in vereinzelten Fällen allerdings so,
daß der Empiriker daneben gutgläubig auch an der „orthodoxen“
Theorie festhält. Dies nötigt ihn wohl zu einem Eiertanz. Übrigens
lehrt das Beispiel Werner Sombarts, dem die Empirie unserer
Wissenschaft so Unschätzbares dankt, daß selbst dabei Grazie walten
kann.
Hier rechne ich nun mit dem Einwand: Wozu überhaupt dieser
ganze „Historismus“ der Empirie, so weit zurück hinter unserer Zeit!
Der Einwand ist von zwei ganz verschiedenen Seiten her zu erwarten
und ist dann auch von ganz verschiedenem Tenor. Er droht von