Full text: Wirtschaft als Leben

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Freiheit vom Worte“, 
Denkenden folgerichtig die danach geartete, die „ErwerbsWirtschaft“, 
selber im Licht der „Wirtschaft überhaupt“ erscheinen. Mit anderen 
Worten, das „Erwerbswirtschaftliche“ muß dann als das „Natur 
gemäße“ der Wirtschaft bedünken. Dieses stolze Bewußtsein nun, 
mit der ureigensten Natur aller Wirtschaft im reinen zu sein, das muß 
man den Epigonen der „Klassiker“ nachfühlen; man versteht dann 
die souveräne Sicherheit, mit der sie ihre „ewigen und unerschütter 
lichen Naturgesetze der Wirtschaft“ in die Welt hinausposaunten, die 
Bauernregel von Angebot und Nachfrage stets voran. Aber in dieses 
Wespennest der „Gesetze“ will ich lieber noch nicht stechen. 
In welche Verlegenheit gerieten dagegen die Spätgeborenen 
dieser Art Theorie, als ihnen die Empirie langsam über den Kopf 
wuchs 1 Was im Rahmen dieser Empirie ausreifte, dank dem freieren 
Blick über alle Wirklichkeiten und auch Möglichkeiten der Wirtschaft 
hinüber, das mußte natürlich den Glauben an das „Naturhafte“ der 
Wirtschaft erschüttern, das ließ an dem „Naturgemäßen“ ihrer „er 
werbswirtschaftlichen“ Artung irre werden. Daneben aber blieb nach 
wie vor die „erwerbswirtschaftliche“ Versteifung der Problematik, so 
weit nämlich die grundlegenden Probleme an den sogenannten 
„Grundbegriffen“ vor Anker liegen, und äußerlich noch das starre 
Erkenntnisschema der „Güterlehre“ hinzutritt. Und so blieb auch die 
gewisse Eingebundenheit, die innerliche Hörigkeit des theoretischen 
Denkens, trotz der Erschütterung jenes naiven Glaubens; eines ver- 
spreizt sich dann mit dem anderen, ein geheimer innerer Widerspruch 
vergiftet die Theorie. Dann ist es auch ganz gleichgültig, ob sich 
der einzelne Theoretiker als „Klassizist“, als „Vulgärökonom“ oder 
als „Marxist“ fühlt und gebärdet; denn was jene Dinge anlangt, auf 
dem Fliegenleim der „Grundbegriffe“ sitzen sie alle einträchtig fest. 
Es klingt bloß sonderbar und ist doch so einfach, daß es wirklich 
ohne Einfluß bleibt, wie sich der Theoretiker herkömmlichen Schlages 
emotionell und gesinnungsmäßig zur Wirtschaft von heute stellt. Ob 
er sie bejaht oder verneint oder sich der Abstimmung zu enthalten 
sucht, intellektuell bejaht er sie insgeheim allemal, einfach weil seine 
Denkbewegung im grundsätzlichsten Sinne an spezifischen Eigenheiten 
von ihr ausgerichtet bleibt. Wie immer sein Denken sich im Be 
reiche der wirtschaftlichen Zusammenhänge bewegt, dorthin sind 
dessen Bewegung fixe Rieht- und Drehpunkte ein für allemal gesetzt. 
In diesem Ausmaß entlarvt sich das herkömmlich theoretische Denken 
unserer Wissenschaft als ein noch innerlich unfreies 1 Einer Erfahrungs- 
Wissenschaft läßt sich Schlimmeres nicht nachsagen.
	        
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