Soziologische Zusammenhänge, XIV.
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scheint, wie hoch überragt nicht trotzdem diese soziologische Theorie
der Wirtschaft die herkömmliche unseres Faches I Die eigentlichen
„Lehren“ fehlen natürlich; man vermißt sie kaum. Wie einen Hohn
aber empfindet man es gerade hier, daß Wirtschaftstheorie erst dann
als „nationalökonomische“ gelten soll, wenn sie von den „Grund
begriffen“ und von der Wassersuppe der Gemeinen Erfahrung allein
sich nährt und dann klapperdürr einherstelzt, gleich der „Güterlehre“.
Als „Reinheit“ der Theorie predigt man diese unglaubliche Ver
simpelung theoretischen Gebarens I So kann es kommen, daß erst
von einer spezifisch nicht-nationalökonomischen Leistung, gleich der
Max Webers, wahrhaft das „Meer von Licht“ ausgeht, ergossen
über die Fülle der Gestalten und Gesichte empirischer Wirklichkeit
der Wirtschaft, wenn diese mit den tausend scharfen Augen der Tat
sachenforschung gesehen wird. Aus keinem anderen Grunde aber
zeigt sich diese Leistung Max Webers, und auch in der Gedanken
führung, so überlegen der herkömmlichen „Güterlehre“, weil sich jene
allwirtschaftliche Auffassung, von der schon die meisterhaften empirisch
nationalökonomischen Arbeiten Max Webers getragen waren, selbst
bei dieser veränderten Problemstellung sieghaft durchsetzt 1 Darum be
gegnet sich auch diese soziologische Wirtschaftstheorie so vielfach mit
allen Ansätzen geläutert nationalökonomischer Theorie. Im ganzen,
so kann man ruhig sagen, schuf hier Max Weber im voraus das
richtige, und ein höchst wertvolles Gegenstück zur Allwirtschaftslehre I
Trotz der anderen Einstellung ist ein köstliches Vorbild geboten, und
eine reiche Schatzkammer hat sich aufgetan. Weniger für die Grund
lehren, im Sinne etwa einer „Theorie der Ewigen Wirtschaft“, um so
mehr aber für die Formenlehre, für die „Theorie der Gewordenen.
Wirtschaft“ überhaupt.