Full text : Wirtschaft als Leben

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.Freiheit  vom  Worte“,

unbestritten  der  Vortritt.  Gälte  aber  ein  Gleiches  auch  für  die  naive
Theorie,  für  die  Anfänge  der  Wissenschaft?  Nun,  würde  man  annehmen,
die  Geburt  einer  Wissenschaft  fiele  sofort  mit  dem  Bewußtwerden
ihres  Grundproblems  zusammen,  so  kommt  dies  entfernt  wohl  der
Vorstellung  gleich,  Deutschland  hätte  am  28.  August  1749  geflaggt,
weil  Goethe  zur  Welt  kam.
Mittelbar  verrät  sich  damit  auch  die  Wortgebundenheit  des  theoretischen ­
  Denkens  als  etwas  zu  seiner  Zeit  Notwendiges;  dem  Denken
ist  sie  unentratbar  für  sein  erstes  Einsetzen  gegenüber  der  Wirklichkeit.
Stets  nur  den  nämlichen  Worten  entlang,  „Wirtschaft“,  „Gut“,  „Wert“,
„Preis“,  „Kapital“  usw.,  mit  denen  das  Leben  über  sich  selber  zu
sprechen  pflegt,  tastet  sich  die  junge  Wissenschaft  an  die  Tatbestände
des  Lebens  heran.  Allmählich  spielen  diese  Worte  dann  die  Vertreter
der  Probleme,  um  deren  Lösung  das  wissenschaftliche  Denken  ringt,
im  unablässigen  Versuche,  den  Zusammenhang  der  Tatbestände  zu
entwirren.  Die  geistigen  Kräfte,  die  sich  dabei  in  ihnen  auswirken,
verdanken  die  Worte  selber  dem  sprachschaffenden  Denken,  aller
Wissenschaft  voran.  Indem  sie  nun  zu  Leitworten  der  Theorie  aufsteigen, ­
  als  deren  „Grundbegriffe“  empfunden  werden,  tritt  das  wissenschaftliche ­
  Denken  offenkundig  in  die  Fußtapfen  des  vorwissenschaftlichen. ­
  Letzten  Endes  vom  Alltag  her  entlehnt  also  die  Theorie  ihre
Problematik.  Und  wenn  es  nun  der  Alltag  der  Erwerbswirtschaft  ist,
verfällt  die  Theorie  somit  der  Einbindung  in  die  einseitig  erwerbswirtschaftlich ­
  ausgerichtete  Problematik.  Es  „kommerzialisiert“  sich
die  Theorie.  Ungefähr  so  verläuft  der  Erkenntnisweg  der  Wissenschaft,
bevor  Selbstbesinnung  eingreift.
Als  schüchterner  Ansatz  regt  sich  dann  erstmals  die  Besinnung
auf  den  Vorwurf  der  Wissenschaft,  auf  ihren  „Gegenstand“.  Der  bisher
nur  werdenden  Wissenschaft  mußte  dies  noch  fremd  bleiben.  Solches
Besinnen  steht  notwendig  erst  der  gewordenen  Wissenschaft  zu.  Zur
Nationalökonomie  mußten  sich  alle  möglichen  Teilerkenntnisse  von
da  und  dort  zusammenfinden,  von  Geld  und  Finanzen,  von  Landwirtschaft ­
  und  Handel  her,  die  nun  zu  einem  Lehrgebäude,  einem
„System“  zusammengefaßt  wurden,  und  zwar  hauptsächlich  im  Zeichen
der  Technik  richtiger  Führung  eines  städtischen  oder  fürstlichen  Haushaltes ­
  und  der  öffentlichen  Verwaltung  dahinter.  Für  diesen  neuen
Bereich  von  Erkenntnis  ertastet  sich  anfänglich  nur  das  Sprachgefühl
den  Namen,  entleiht  ihn  dem  umfassendsten  Tatbestand,  der  Wirtschaft
überhaupt,  und  scheidet  ihn  durch  wechselnde  Bestimmungen  von
seiner  älteren  Verwendung  für  engere  Vorwürfe;  so  beginnt  man,  in
Abscheidung  von  der  „ländlichen“  nun  von  „politischer  Ökonomie“
            
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